Monatsarchiv: März 2017

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Rückblick auf das XIX. Habanos-Festival

Der Film zeigt Bilder der Festival-Woche. Auch meine Frau hat einen kurzen Auftritt, im letzten Teil zur Gala-Nacht.

Die Agentur Reuters schreibt in «Cuba struggles to satisfy cigar demand after bad crops» über die Lieferschwierigkeiten der kubanischen Zigarrenindustrie. Christoph Puskar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue prognostiziert im Beitrag, dass die Verfügbarkeit ab dem dritten Quartal «slighty better» werde. Ich werde zu den Auswirkungen auf unser Geschäft zitiert:

Manuel Froehlich, who owns a shop in Zurich selling Caribbean rum, coffee and cigars, said he was struggling to source a variety of Cuban products.

«We usually sell Cuban coffee in our shop but for two years we haven’t been able to source it,» he said. «They don’t have enough even for the domestic market because there are so many tourists.»

«Cigars, which make up half our revenue, are also hard. We started to have supply issues last year and it just got worse.»

Manuel Fröhlich Cigarren

Montecristo 1935: erste Eindrücke

Die Montecristo-1935-Serie war die Hauptattraktion des diesjährigen Habanos-Festivals. Die neue Montecristo-Linie umfasst die drei Formate Maltés (53 X 153 mm), Dumas (49 x 130 mm) und Leyenda (55 x 165 mm), ist kräftig geblendet und soll qualitativ und in der Folge auch preislich als Premium-Linie positioniert werden. Inzwischen habe ich das mittlere und kleine Format in Ruhe geraucht und kann erste Eindrücke übermitteln.

Die Montecristo 1935 Maltés entwickelt zum Auftakt Bittermandel-Noten, wie man sie bei kubanischen Zigarren dieser Tage regelmässig antrifft. Bald werden sie aber von Eindrücken von Kaffee, Kakao und Röstnoten abgelöst. Im Rauchverlauf ergänzen holzige Noten und eine schöne Montecristo-Erdigkeit das Bild. Für die holzigen Noten ist vermutlich der hohe Ligero-Anteil im Blend verantwortlich. Schneller entwickelt sich geschmacklich die kleine Dumas; den Bittermandel-Auftakt überspringt sie und zeigt sofort «dunkle» Kakao und Holznoten. Im Rauchverlauf habe ich mir zudem notiert: Kaffee, Brot, Röstnoten, holzig, erdig.

Der Rauch beider Formate ist weder cremig noch ölig sondern wirkt eher trocken. Auch fehlt es den Zigarren etwas an Körper und Volumen. Dafür überzeugen sie mit einem charakteristischen Geschmack mit schönen Kaffee-Kakao-Röstnoten, die sich von allem, was man bisher aus Kuba kennt, deutlich unterscheiden.

Die Verpackung in braun-lackierten Kisten übernimmt die Montecristo-1935-Serie von der limitierten Montecristo 80 Aniversario, die vor zwei Jahren präsentiert wurde und erst kürzlich auf den Markt kam. Das grosse Leyenda-Format entspricht sogar dem Format der Montecristo 80 Aniversario. Geschmacklich handelt es sich aber um zwei verschiedene Produkte. Wir haben hier in Havanna noch einige Montecristo 80 gefunden und konnten so die beiden Zigarren direkt vergleichen. Die Montecristo 80 Aniversario wirkt runder, voller und weicher, die Montecristo 1935 hat demgegenüber einen ausgeprägten Ligero-Geschmack.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Montecristo-Gala

Die Gala-Nacht markierte den Abschluss einer Woche voller Eindrücke und Zigarrenrauch. Habanos nutzte den festlichen Rahmen für die Vorstellung der neuen Serie Montecristo 1935. Sie umfasst drei Formate, hat als Novum für Montecristo einen kräftigen Blend und übernimmt das Kistendesign der Montecristo 80 Aniversario. Zuerst aber genossen wir eine grosse Show und ein Dinner, Gang für Gang begleitet von Montecristo-Zigarren. Habanos verlieh seine jährlichen Premio-Habano-Preise, Edward Sahakian aus Grossbritannien erhielt die Händler-Auszeichnung.

Danach ging es wieder um grosse Zahlen, die Versteigerung von exklusiven Humidoren brauchte eine stolze Summe für das kubanische Gesundheitsministerium ein: Ein fabelhafter Hunidor für H. Upmann in Form eines Tresors erzielte 200’000 Euro, der Cohiba-Humidor sogar rekordverdächtige 380’000 Euro.

Die Montecristo 1935-Zigarren wollten wir pflichtbewusst aufsparen für einen ruhigen Moment, um ein klares Urteil zu fällen. Spätnachts auf der Terasse des Hotel Nacional zündeten wir sie dann doch noch an, bei Wind und Wetter und bester Stimmung. Mein Exemplar brannte miserabel aber schmeckte hervorragend. Kräftig und Montecristo, damit dürfte Habanos wieder mal einen Nerv treffen. Ein genaueres Verdikt folgt, vielleicht noch aus Havanna, wir bleiben noch ein paar Tage hier und geniessen die Sonne.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Tabakausgabe in der La-Corona-Fabrik

In der Festivalwoche öffnen ausgewählte Manufakturen ihre Türen für die Besucher. Dieses Jahr besuchten wir die La-Corona-Fabrik, weil sie an der Produktion der neuen Linien Montecristo 1935 und Quai d’Orsay beteiligt ist.

In der Fabrik herrschte Hochbetrieb. Wir wurden von einer Torcedora durch den Betrieb geführt und konnten mit ihr einige Fragen besprechen. Sie war von Herzen erstaunt, dass unsere Konsumenten immer noch regelmässig mit Zugproblemen konfrontiert werden. Die Qualitätskontrollen mit Zugmaschinen seien engmaschig und die Bezahlung der Torcedores erfolge im Akkord, sei aber an die Erfüllung der Qualitätskriterien gebunden. Die Portmann-Kollegen erzählten mir dazu folgende Geschichte: Sie hätten in der La-Corona-Fabrik über eine schlechte Hoyo-San-Juan-Charge in 10er Kisten geklagt. Daraufhin seien sie nach den Box-Codes gefragt worden. Diese wurden aus der Schweiz übermittelt und es wurde festgestellt, dass alle betroffenen Kisten aus Manufakturen im Süden der Insel stammten. Es ist gut vorstellbar, dass die Manufakturen in Havanna das Qualitätsmanagement besser im Griff haben.

Interessant war der Augenschein bei der Tabakausgabe für die Torcedores. Hier holen die Roller die Tabake ab, die für eine Produktion von 50 Zigarren reichen müssen. Auf einer Liste waren die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Vitolas ersichtlich. Unsere Begleiterin vertrat die Ansicht, dass immer dasselbe Volado, Seco und Ligero eingesetzt werde und nur das Mischverhältnis der Blattstufen die Vitolas unterscheide. Es ist aber davon auszugehen, dass die Blending-Abteilung, welche die Pakete einige Stockwerke tiefer vorbereitet, zugriff auf Tabaken verschiedener Zonen und Qualitäten hat. Offensichtlich wird dies etwa bei den auf der Liste vermerkten Limitada-Zigarren.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Besuch in der Cigarillo-Fabrik

Gestern besuchten wir die Cigarillo-Fabrik Internacional Cubana de Tabacos S.A., in der alle kubanischen Cigarillos und Machine-Made-Zigarren hergestellt werden.

Die Fabrik produziert im Prinzip genau so wie die Villiger-Stumpenfabrik in der Schweiz. Zuerst wird der Tabak verkleinert und gemäss einem Rezept geblendet. Die Tabake haben genau die selbe Herkunft wie die Tabake der Premium-Produktion. Nur werden für die Cigarillos kleinere oder beschädigte Blätter verwendet. Die Deckblätter sind auf sogenannten Bobinen aufgebracht und werden danach maschinell auf die Tabake gerollt. Bei Villiger erfolgt dieser Arbeitsschritt in Indonesien, Kuba hat diesen Arbeitsschritt in die Philippinen ausgelagert. Am Schluss verpacken Mitarbeiterinnen mit flinken Händen die Cigarillos in ihre Packungen. Wie alle Premium-Zigarren werden auch die Cigarillos vor dem Export eingefroren, um allfällige Schädlinge im Tabak abzutöten. Hierzu lagern die fertigen Packungen während fünf Tagen bei -20 Grad in einem Kühlraum.

Die Fabrik ist voll ausgelastet und produziert über 100 Millionen Cigarillos pro Jahr. Man arbeitet an einem Ausbau der Kapazitäten, gerade als wir die Fabrik besuchten, wurden neue Maschinen angeliefert.

Internacional Cubana de Tabacos S.A. wurde 1998 eröffnet – früher wurden die Cigarillos in Europa produziert – und beschäftigt heute 425 Mitarbeiter. Internacional Cubana de Tabacos S.A. ist wie Habanos S.A. ein Joint-Venture zwischen Kuba und einem ausländischen Partner. Die Mitarbeiter werden nach kubanischen Standards entlöhnt, man ist aber stolz auf die sozialen Zusatzleistungen, die man anbieten kann. Es ist rund um die Uhr ein Doktor vor Ort, der sich um alle medizinischen Belange kümmert. Zudem ist in der Fabrik ein Zahnarzt-Dienst mit zwei Zahnärzten eingerichtet, zu dem die Mitarbeiter und deren Familien ebenfalls freien Zugang haben. Zudem erhalten die Mitarbeiter, die im Dreischicht-Betrieb arbeiten, täglich zwei Mahlzeiten.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Eine Top-Ernte, Medio-Tiempo und neue Erkentnisse zum Blending

Tag zwei am Festival führte uns in die Vuelta Abajo zu den Tabakbauern. Auf den Eröffnungsabend hatten wir verzichtet. Zum Glück, wie sich im Nachhinein zeigte – er fiel wortwörtlich ins Wasser. Unsere Gruppe besuchte dieses Jahr Tabakbauer Iván Máximo Pérez Maceda, der in der Provinz San Juan y Martínez einen Musterbetrieb von über drei Hektaren führt. Wir wurden herzlich empfangen und durften zum Auftakt Zigarren geniessen, die aus den Tabaken des Betriebs gerollt worden waren.

Iván ist weniger bekannt als beispielsweise die Vega Robaina oder Hector Luis. Sein Betrieb ist aber gut geführt, wir haben den Bauern entspannt, stolz und auf eine gute Art selbstbewusst erlebt. Er beantwortete uns offen alle Fragen, die wir im stellten.

Zum Beispiel erklärte er uns, was es genau mit dem exklusiven Behike-Tabak Medio Tiempo auf sich hat. Bekanntlich handelt es sich um die beiden obersten Blätter der Tabakpflanze, die als Medio Tiempo klassifiziert werden können. Warum also ist Miedo Tiempo rar, wenn jede Pflanze davon zwei Blätter ausbildet? Um Medio-Tiempo-Qualität zu erreichen, müssen die beiden obersten Blätter besonders kräftig und saftig sein. Dies passiert entweder zufällig oder, indem die Bauern die unteren Blätter der Pflanze ausdünnen, um mehr Kraft in die Spitze der Pflanze zu leiten. Weil dies auf Kosten des Ertrags geht, produzieren die Bauern nicht gezielt Medio Tiempo. Es gebe jetzt aber Bestrebungen, spezielle Medio-Tiempo-Pflanzungen anzulegen, erklärte uns Iván Máximo.

Man musste kein Spezialist sein, um zu sehen, dass die diesjährige Ernte ausezeichnet ausgefallen ist. Die Blätter sind saftig und gross, auf dem Betrieb von Iván herrschte emsige Betriebsamkeit. Bis die Tabake dieses Jahres in die Produktion kommen, braucht es aber noch mindestens ein Jahr.

Wir fragten Iván mit Blick auf die Lieferengpässe, ob und wie sich die Tabak-Produktion noch steigern liesse. In seiner Provinz schätzt er, dass etwa 5-7 Prozent der möglichen Anbauflächen noch brachliegen – also nicht besonders viel. Zudem gab er zu bedenken, dass die Böden heute übernutzt seien und man ihnen zu wenig Ruhe gönne.

Iván bestätigte, was mir schon andere Experten erklärten: Zwar werden verschiedene Pflanzenvarietäten eingesetzt, diese werden aber so gezüchtet, dass sie möglichst denselben Geschmack entwickeln. Kuba will einen „Habanos-Geschmack“, keine auf dem Saatgut basierende geschmackliche Diversifikation, wie sie in anderen Anbaugebieten gesucht wird. Markentypische Aromen werden einerseits durch das Verhältnis der Blattstufen (Seco, Volado und Ligero) und andererseits durch die Wahl der Region erzielt. Die Tabakbauern wissen übrigens selber nicht, für welche Marken ihre Blätter verarbeitet werden. Gemäss dem ebenfalls anwesende Regionalleiter von Tabacuba gehört die Finca von Iwan zur Zone von El Laguito und gehört damit zu den exklusiven Tabak-Lieferanten von Cohiba.