Monatsarchiv: Februar 2018

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Die Ernte wird eingefahren

Am heutigen Dienstag besuchten die Festival-Gäste Pinar del Rio im Westen Kubas. Hier wachsen die Tabake, aus denen unsere geliebten Havannas gerollt werden. Verteilt auf Gruppen besuchten wir in diesem Jahr Farmen und Verarbeitungsbetriebe in der Region San Juan y Martinez, einer der beiden Subregionen der Vuelta Abajo. Unsere Tour führte uns zunächst in eine Escogida. Hier werden die Tabake nach Grösse, Qualität und Blattstufe sortiert, nachdem die Blätter auf den Farmen geerntet und getrocknet wurden.

Letztes Jahr bot sich hier ein spezielles Schauspiel. Arbeiterinnen sortierten fleissig kleine Tabakbündel. Als wir den Raum verliessen, stellten sie ihre Arbeit wieder ein. Sie spielten uns ihre Arbeit wirklich nur vor. Dabei war 2017 ein gutes Jahr. Was wir letztes Jahr erlebten, hängt mit dem Zeitpunkt des Festivals zusammen. Es fällt mitten in die Ernte, die Verarbeitungsbetriebe verarbeiten in dieser Phase aber noch die letzten Vorräte der Vorernte. Das Bild, das wir in diesem Jahr antrafen, war ein ganz anderes: Geschäftiges Treiben, Tabakstapel überall. Der Leiter der Escogida konnte das gute Gefühl, das uns vermittelt wurde, mit Zahlen unterlegen. Im Jahr 2016 verarbeitete sein Betrieb 160 Tonnen Tabak, letztes Jahr 230 Tonnen, dieses Jahr rechnet er mit 275 Tonnen, wobei es sich hier nicht um eine Planvorgabe handle, sondern um eine qualifizierte Schätzung basierend auf den Meldungen der Tabakbauern.

Für unseren Besuch hatte sich die Escogida auch dieses Jahr fein herausgeputzt. Als wir eintraten, setzte eine Vorleserin zu einem innbrünstigen Rezitat eines Gedichts über den Tabak an. Den Raum schmückten neben den üblichen Revolutionsparolen auch Zeichnungen und Gedichte über den Tabak, verfasst von den Mitarbeiterinnen des Betriebs, wie ich erfuhr. Und obendrauf: Ein riesiges Blumenherz zu Ehren Fidels. Alles sei genau so geplant worden für den heutigen Tag, erklärte mir die Vorleserin. Es sei selbstverständlich ein Schauspiel, das sie aufführten, dies sei ihre Art, uns mit Stolz ihre Arbeit zu präsentieren.

Ich erfuhr danach noch folgendes: Die von uns besichtigte Escogida wird von 222 Bauern mit Tabak beliefert. In ganz San Juan gibt es 26 Escogidas. Alle Tabake, die unsere Escogida in den nächsten Wochen erhält, werden gemischt, die Rückverfolgbarkeit zum Tabakbauern ist nicht mehr möglich. Ergo lassen sich nach dem Sortieren der Tabake nur noch 26 Zonen unterscheiden.

Nachdem die Blätter in der Escogida sortiert wurden, gehen sie weiter in nächsten Verarbeitungsbetrieb mit dem Namen Despalilla. Hier werden die Mittelrippen entfernt und die Tabake fermentiert. Wir besuchten den selben Betrieb wie im Vorjahr – die einzige Despalilla der Region San Juan. Auch hier stand der Betriebsleiter Red und Antwort zur Frage, ob die Tabake nach der Fermentation noch einzelnen Escogidas zuweisbar sei. (Meine «Investigativ-Fragen» wurden übrigens mit grosser Freundlichkeit und wie ich das Gefühl habe nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Schon im Vorjahr fiel mir auf, dass das Klima offener und weniger ängstlich war als früher). Seine Antwort: Nein. Aus 26 Escogidas werden in der Despalilla neun Zonen, die man unterscheide und nicht vermische. Wir stehen vor einem Tabakballen, der fertig verpackt ist für die Reise nach Havanna. Auf der Etikette sind vermerkt: Die Blattkategorie, das Datum und als Zone: «San Juan y Martinez». Allgemeines Erstaunen und Werweissen.

Zum Abschluss besuchten wir die Tabakbauern Carlos und Herado Medina. Die beiden Brüder führen das Erbe des letztes Jahr verstorbenen Herado Medina Senior weiter, der 2006 als Hombre del Habano ausgezeichnet wurde. Die freundlichen Farmer und ihre Mitarbeiter führten uns voller Freude duch ihre Felder und das Trocknungshaus. Man müsste gar nicht fragen: Es ist eine ausgezeichnete Ernte. Am Ende werde ich gebeten, ein Familienfoto aufzunehmen. Dieses konnte ich bereits elektronisch übermitteln. Carlos Medina arbeitet nebenher in der Tabakforschung und hat einen Facebook-Account.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Stolz und Herrlichkeit

Der erste Festivaltag hielt für die Schweizer Gruppe eine weitere Überraschung bereit. Der Schweizer Habanos-Importeur Intertabak lud zu einem Tasting der neuen La Gloria Cubana Orgullosos Edición Suiza 2018 ein. Der Name «Orgulloso» (deutsch: stolz) nimmt auf den Markenname Bezug: Die Glorie / Herrlichkeit Kubas. Das Format mit dem rund zulaufenden Kopfende erinnert an die Punch Clasico Edición Suiza 2012 und ist in seinen Abmessungen in der Tat identisch mit der früheren Schweizer Regionales-Zigarre (50 x 18.4). Ein schönes Format und eine schöne Marke, die zuletzt von Habanos äusserst stiefmütterlich behandelt wurde. Die bei vielen Aficionados wegen ihres milden Charakters beliebte La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 2 ist definitiv vom Markt verschwunden, im Standardportfolio von La Gloria Cubana übrig geblieben ist nur die recht kleine und sehr schlanke Medaille D’Or No. 4.

Die nur für die Schweiz produzierte Zigarre wird in einer Auflage von 6000 Kisten à 10 Zigarren im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Zeitpunkt und Preise sind noch unbekannt. Zu erfahren war, dass Habanos dem Schweizer Importeur jeweils stolze Einstandspreise verrechnet und es keinen Verhandlungsspielraum oder gar ein Mitspracherecht gibt. Im Falle der Sancho Panza Valientes Edición Suiza 2017, die aktuell auf dem Markt ist, verzichtete Intertabak gar auf einen Teil der sonst üblichen Marge, um einen noch einigermassen vernünftigen Endkonsumentenpreis zu ermöglichen.

Unsere Testzigarren waren vermutlich frisch bis sehr frisch. In der ersten Hälfte entwickelten sie einen nussigen Grundgeschmack mit Eindrücken von Kaffee, Röstnoten und Süsse. In der zweiten Hälfte setzte Würze ein, die sich im weiteren Verlauf zu einer unangenehmen Schärfe wandelte. Alles ganz normal für eine junge Zigarre, etwas Lagerzeit wird aus der La Gloria Cubana Orgullosos eine sehr gute milde Havanna machen.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Neuheiten Lineup 2018

Die Pressekonferenz am Montag Morgen eröffnete das XX. Festival del Habano und gab einen Überblick über das Programm und die uns erwartenden Zigarren-Neuheiten.

Die Cohiba Robusto Reserva Cosecha (deutsch: Ernte) 2014 wird heute Abend präsentiert. Die Tabake dieser Zigarre sind mindestens drei Jahre gereift. Sie wird in einer Auflage von 5000 nummerierten Kisten à 20 Kisten produziert und dürfte ein «save bet» sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich ihrer Wertentwicklung sein. Freuen dürfen wir uns auch auf eine Erweiterung der Partagás-Maduro-Serie: Die Partagás Maduro No. 2 ist ein Torpedo-Format mit dickem 55er Ringmass (12 cm Länge). Die Maduro No. 3 hat die Abmessungen 50 x 14.5 cm) und ist somit etwas länger und schlanker als die schon erhältliche Maduro No. 1 (52 x 13 cm).

Gute Nachrichten gibt es für die vielen Freunde der Hoyo de Monterrey Le Hoyo de San Juan. Der ersten Terroir-Zigarre Kubas – alle Tabake stammen aus der Vuelta-Abajo-Subregio San Juan y Martinez – wird eine grössere Schwester mit demselben Blend zur Seite gestellt: Die Hoyo de Monterrey Le Hoyo Rio Seco (56 x 14 cm). Erweitert wird auch die Vegueros-Linie. Herstellungsort der Vegueros Centrofinos (50 x 13) ist wie für die anderen Formate der Marke die Fábrica de Tabacco Torcido «Francisco Donatien» in Pinar del Rio. Die Marke zeichnet sich durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Der Name «Veguero» bedeutet «Bauer» und ehrt die Tabakpflanzer in der Region Pinar del Rio.

Romeo y Julieta lanciert einen auf 450 Stück limitierten Humidor Romeo y Julieta Grand Churchills (siehe Bild). Gefertigt wird der Humidor vom französischen Edelschreiner Elie Bleu. Die Romeo y Julieta Grand Churchills (56 x 19 cm) sind in einer Goldfolie verpackt. Jeder Humidor enthält 100 Zigarren. Die drei Ediciones Limitadas des kommenden Jahres heissen Romeo y Julieta Tacos (49 x 16.8 cm, präsentiert im 25er Kisten), Bolivar Soberano (54 x 14 cm, 10er Kisten) und H. Upmann Propios (46 x 12 cm, 25er Kisten).

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Spenden mit Genuss

Zum Auftakt des Festivals organisierten Adorini und das Cigar Journal gemeinsam einen Charity-Empfang für das schweizerisch-kubanische Kinderhilfswerk Camaquito. Eine prima Gelegenheit, um die deutschsprachigen Teilnehmer des Festivals kennen zu lernen. Ich habe gesichtet: Urs und Thomas Portmann mit Zigarren.Zone-Blogger Vasilij, die Jungs von Adorini (ich schreibe diesen Text am Messestand von Adorini und bedanke mich an dieser Stelle für die zur Verfügung gestellte Elektrizität), Vertreter von Intertabak und Christoph Puszkar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue. Letzterer erzählte mir, dass sich die deutsche Gruppe im Vergleich zu früheren Jahren dramatisch verkleinert habe. Nur zwei Händler aus Deutschland seien angereist. Die hohen Preise hätten den deutschen Kollegen die Lust auf das kubanische Zigarrenfest verdorben.

Stattdessen beehrten die Botschafter der Schweiz, Deutschlands und Österreichs (zu sehen auf dem Bild neben Vertretern des Cigar Journals, Adorini und Camaquito-Gründer Mark Kuster) den Camaquito-Empfang. Der Anlass brachte einen Erlös in der Höhe von rund CHF 5000 zu Gunsten des Kinderhilfswerks ein.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Zurück in Havanna

Wieder beginnt in Kuba das Festival del Habana, eine einwöchige Festwoche zu Ehren der kubanischen Zigarre. Das Festival wird in diesem Jahr zum 20. Mal ausgetragen. Der Modus ist jedes Jahr derselbe: Abendveranstaltungen mit der Präsentation neuer Zigarren. (Diese kommen dann ein bis drei Jahre später auf den Markt. Grundregel: Je aufwändiger die Verpackung, desto länger die Verzögerung.) Seminare, die abgeschirmt von der karibischen Sonne in einem Sowjet-Bunker stattfinden und von erfahrenen Festival-Gängern nur punktuell besucht werden. Ausflüge nach Pinar del Rio, zum Ursprung des Tabaks, und in Havannas Zigarren-Fabriken. Die angekündigten Höhepunkte des diesjährigen Festivals sind die Lancierung einer Cohiba Reserva und die Erweiterung der Partagas-Maduro-Serie um zwei neue Formate.

In der Festivalwoche treffen wir Händler Kollegen, Freunde und manche unserer besten Kunden. Den ganzen Tag rauchen wir junge, kräftige, wunderbare Zigarren, geniessen Rum, Daiquiris und erfrischendes Bier. (Der neue Platzhirsch auf dem kubanischen Biermarkt ist, mich verstört es etwas, Heinecken. Die schmackhaften einheimischen Biere Cristal und Buccanero sind knapp, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Heinecken steht zur Zeit in jeder Bar und in jedem Laden. Aus Havanna verschwunden ist dafür Presidente, das Bier aus der dominikanischen Repulik. Buccanero und Cristal werden in einem Joint-Venture mit dem Bierkonzern Ambev produziert, zu der wahrscheinlich (Internetrecherche etwas umständlich) auch Heinecken gehört). Das Festival del Habano ist ein Branchentreffen, das von A-Z Spass macht.

Vor das Festival habe ich eine Ferienwoche gehängt, in der ich mich dem Schachspiel widmete. Kuba hat eine grosse Schachtradition und mit Raul Capablanca einen ehemaligen Schachweltmeister. Von der Schweiz aus nahm ich Kontakt mit dem Insituto Latinoamericano de Ajedrez auf, das die Schachaktivitäten in Havanna koordiniert. Das Institut vermittelte mir einen jungen kubanischen Schachgrossmeister, der mich eine Woche lang unterrichtete. Meine Stunden erhielt ich an bester Lage vis-a-vis des fast fertig renovierten Capitolios, in einem Sportzentrum, in dem auch Fussball und Boxen trainiert wird. Das Bild oben zeigt Teilnehmer eines Schülerturniers, das wir besuchen durften. Die siebenjährigen Kinder, die eine Stunde lang konzentriert Schach gespielt haben, beeindruckten mich sehr.