Monatsarchiv: Februar 2020

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Besuch bei Partagás

Dieses Jahr öffneten die Fabriken La Corona und Partagás die Türen für die Besucher des Festivals. Wir entschieden uns für einen Besuch der Partagás-Manufaktur, die seit einigen Jahren nicht mehr im bekannten Partagás-Gebäude hinter dem Capitolio untergebraucht ist. Auf dem Produktionsplan standen unter anderem – immer noch – Cohiba Talisman Edición Limitada 2017.

Ich liess mir eine Statistik erklären, die an einer Wand hing und die Kennzahlen zu namentlich aufgeführten Torcedores liefert. Sie zeigt, aufgeteilt für Einlage, Umblatt und Deckblatt, wie genau es den Rollern gelingt, die zugeteilten Tabake in die geforderte Anzahl Zigarren zu verarbeiten. Steigt die Quote auf über 100 Prozent, bedeutet dies, dass für die Anzahl der gerollten Zigarren zu viel Tabak verwendet wurde. Mit verschiedenen möglichen Ursachen: Schwund, zu viel Tabak verarbeitet, was zu Zugproblemen führt etc. Die Zahlen zeichnen insgesamt ein sehr gutes Bild. Allerdings geben sie keine Auskunft über die Varianz der gerollten Zigarren zum Beispiel in Bezug auf das Gewicht.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Das Festival nimmt Fahrt auf

Im Protokollsaal von El Laguito, wo früher Fidel Castro seine Worte an die Gäste richtete, lud Habanos am Mittwoch zu einem festlichen Abend. Thematisch war er dem 30-jährigen Jubiläum der Casa del Habanos und dem 85. Geburtstag von Montecristo gewidmet. Das Programm auf der Bühne war hochklassig und wir sassen zusammen mit der Intertabak-Führungsriege und Casa-Pionier Samuel Menzi aus Zürich an einem wirklich guten Tisch. Das Essen berauschte uns nicht, doch der Abend insgesamt sehr. Maestro Ronero Asbel Morales stellte den neuen Havana Club Tributo 2020 vor, der Teile der vier vorherigen Tributos kombiniert. Die neue Montercristo Herederos wurde uns am Ende des Abends überreicht, weshalb Eindrücke zum Geschmack später nachgeliefert werden.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Deckblatt-Mekka Partido

In Pinar del Rio und der Vuelta Abajo wächst der Grossteil der Tabake für die Habanos-Produktion. Daneben existiert aber eine weiteres kubanisches Tabak-Mekka: Die Region Partido in der Provinz Artemisa, etwa auf halben Weg zwischen Havanna und Pinar del Rio. Hierhin führte uns Tag zwei des Festivals. Die Spezialität der Partido-Region ist die Deckblatt-Produktion. Je nach Jahr und Quelle stammen 30-60 Prozent aller Deckblätter von hier. Die Plantagen sind riesig. Wir besuchten Aurelio Reyes, der 111 Hektaren Land bewirtschaftet.

Die Plantagen sind mit Stoff überdeckt, um die Tabake vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. So entstehen grosse aber doch feine Blätter. Haben die Pflanzen die richtige Grösse erreicht – hohe Temperaturen führen zu einem schnelleren Wachstum – beginnt die aufwändige Ernte. Alle vier bis fünf Tage ernten die Arbeiter zwei Blätter pro Pflanze.

Die Blätter an den Pflanzen wirken riesig, mit Spannen von weit über 50 Zentimetern. Am Schluss als Deckblatt lässt sich aber nur ein relativ schmaler Streifen verwenden. Durch das Trocknen verlieren die Tabake später weiter an Grösse.

Die Trocknungsphase, die 19-21 Tage dauert, erfolgt in gut isolierten Häusern und unter kontrollierten Bedingungen. Bei Bedarf wird beheizt oder Feuchtigkeit zugeführt. Die Feuchtigkeit, die etwa 85 Prozent betragen sollte, spielt eine zentrale Rolle. Ohne Feuchtigkeit würden die Blätter zwar trocknen, können aber nicht die Farbe ändern sowie später den erwünschten Tabak-Geschmack entwickeln. Wird es hingegen zu feucht, droht Fäulnis. Ausserdem muss die Feuchtigkeit mit der Temperatur ein Gleichgewicht bilden. Die Kubaner beschreiben diesen Prozess deshalb nicht als trocknen («secar»), sondern als «curar».

Anders als in Pinar del Rio werden die Felder in Partido nicht pausenlos für den Tabakanbau genutzt, wie uns erklärt wurde. Nach drei Jahren Tabakkultivierung nützen die Farmer die Felder vier Jahre lang für den Anbau von anderen Pflanzen, etwa Bananen.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Zum 25. Jubiläum von Intertabak

Havannas für unser Geschäft kaufen wir nicht direkt in Kuba sondern über den offiziellen Schweizer Habanos-Importeur Intertabak ein. In den Neunzigerjahren organisierte die kubanische Tabakindustrie die Distribution neu und gründete in wichtigen Märkten zusammen mit lokalen Partnern Importgesellschaften, an welchen sich Kuba beteiligte. In der Schweiz kam damals, zusammen mit einem weiteren Partner, Heinrich Villiger zum Handkuss. Die zu diesem Zweck gegründete Intertabak AG feiert dieses Jahr das 25-jährige Firmenjubiläum.

Den runden Geburtstag lancieren Kuba und Intertabak die «Quai d’Orsay Sélection Royale Edición Suiza 25 Years Intertabak». Für die Schweizer Festival-Teilnehmer organisierte Intertabak ein exklusives Tasting dieser neuen Zigarre.

Die Quai d’Orsay Sélection Royale im schönen 109-Format überzeugte mit einem cremigen und vollmundigen Geschmack. Ein richtiges Aha-Erlebnis, wenn man seit Tagen frische und deftige Custom-Habanos raucht. Unsere Testzigarren entwickelten eine deutliche Süsse und ein schönes Aroma, das mich an Lebkuchen erinnerte.

Die Markteinführung ist für «irgendwann im Laufe des Jahres» geplant. Die Zigarren werden – ein Highlight für Aficionados – in 50er Kabinett-Kisten verpackt. Produziert werden maximal 80’000 Zigarren, was 1’600 Kisten entsprechen würde. Seit einigen Jahren kommt es aber regelmässig vor, dass Kuba wegen Produktionsschwierigkeiten nicht das ganze Kontingent ausliefert. Bei der Preisgestaltung ist Intertabak vom Kuba abhängig und es wird erwartet, dass der Verkaufspreis leicht über jenem der letzten Edición Suiz von La Gloria Cubana liegen wird.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Schön und teuer

Heute beginnt in Havanna das XXII Festival del Habano. Was uns Besucher erwarten wird, präsentiert Habanos SA jeweils an der Auftakt-Pressekonferenz.

Die wichtigste Neuheit heisst Romeo y Julieta Línea de Oro. Die neue Linie umfasst drei Formate: Dianas (52 x 145 mm), Hidalgos (57 x 125 mm) und Nobles (56 x 135 mm). Habanos kündigt die Zigarren als mittelkräftig an und positionert sie – wohl auch preislich – in der Oberklasse. Die farbig lackierten und gold verzierte Kistchen wirken edel.

Montecristo erhält das neue Format Herederos (47 x 162 mm). Es wird in der Linie «La Casa del Habano und Habanos Specialists Exclusive» lanciert und feiert das 85. Jubiläum von Montecristo. In der Kiste sind ein kleines Feuchteelement und ein Hygrometer integriert.

Sammler freuen sich auf die Bolívar Belisocos Finos Reserva Cosecha 2016, die heute Abend zum Auftakt des Festivals vorgestellt wird. In den Festival-Unterlagen kündigt Habanos sodann eine Edición Limitada an: Die Partagás Legado (48 x 157 mm). Wie üblich sollen ausserdem zwei weitere Ediciones Limitadas von Punch und Hoyo de Monterrey folgen, konnte ich in Erfahrung bringen. In der offiziellen Kommunikation sind diese heute aber nicht erwähnt.

Chinesische Gäste fehlen dieses Jahr weitgehend wegen des Corona-Virus, aber die Bedeutung des chinesischen Marktes wächst. Die Verkaufsgerüchte wurden nicht thematisiert, jedoch das rapide Wachstum des chinesischen Marktes vom 10 Prozent im vergangenen Jahr. Dass chinesische Händler in ganz Europa auf Einkaufstour gehen, ist in dieser Zahl noch nicht berücksichtigt. Habanos anerkennt die Entwicklung und sieht auch für das neue Jahr ein Sonderformat zum chinesischen Neujahrsfest vor.

Grössere Überraschungen gibt es keine. Eine Cohiba BHK 58 ebenfalls nicht, obwohl Gerüchte darüber auch hier in Havanna wieder aufkamen. Habanos setzt weiter auf höherpreisige Linien und auch der Trend zu aufwändigen und neuartigen Kistendesigns geht dieses Jahr weiter.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Zurück in Havanna

Alle Jahre wieder freuen wir uns auf einige Tage im warmen Havanna rund um das Festival del Habano, das in diesem Jahr zum 22. Mal ausgetragen wird. Es ist ein wenig Geschäft und viel Entspannung, viel Zigarrengenuss und das eine oder andere Gläschen Rum, das wir hier geniessen dürfen. Ausserdem lernen wir ein Land und seine Menschen kennen.

Die Versorungslage ist prekär, die Leute stehen Schlange für Öl oder Eier. «Es ist nicht leicht», seufzt der Kubaner routinemässig. Bezin hat es scheinbar trotz Venezuela-Krise noch, die Taxipreise blieben stabil.

Die bisher gerauchten Zigarren sind sehr vielversprechend. Die Custom-Roller verfügen über wenig aber zum Teil guten Tabak. Offiziell sind sie angehalten, keine Formate grösser als Robusto zu rollen. Sie sollen nicht zu attraktiv werden und die Zigarren aus dem Standard-Sortiment überstrahlen. Doch unter dem Ladentisch geht das Geschäft weiter.