Aficionado Historisches

Cigarren und Frauen

Aus aktuellem Anlass, dem internationalen Tag der Frau, ein kleiner historischer Abriss von Malathounis‘ Zigarrenschule über Frauen und Zigarren:

Zigarren und Frauen – ein jahrhundertealtes Kapitel über Diskriminierung und Emanzipation. Denn während in den tropischen Erzeugerländern bis heute ganz selbstverständlich auch Frauen Zigarren geniessen, untersagten schon im Spanien der ersten Zigarrenmanufakturen die Männer den Frauen den Tabakgenuss. Zwar verkürzten sich noch im 17. Jahrhundert Englands Damen die Wartezeit im Theater zigarrenrauchend und selbst die Töchter des tabakverachtenden Sonnenkönigs Ludwig XIV waren tropischen Rauchzeichen zugeneigt – doch letztlich wurde die Zigarre zur Männerdomaine. Und zu einem Symbol der gesellschaftlichen Befreiung der Frauen.

„Die Zigarren bringen den Schmerz zum Schweigen und bevölkern die Einsamkeit mit tausend anmutigen Bildern“, schrieb einfühlsam Mitte des 19. Jahrhunderts die Schriftstellerin George Sand. Sie rauchte als eine der wenigen Frauen ihres Jahrhunderts in aller Öffentlichkeit Zigarren und empfand dies als einen Akt der Emanzipation.

„Zigarren seien“, so George Sand, „das unverzichtbare Accessoire im Leben eines jeden eleganten Müßiggängers“.

Viele erfolgreiche, oft künstlerisch tätige Frauen folgten diesem Gedanken. Etwa Colette, die Femme Fatale der Belle Epoque: „der gelbe Rosenbusch verströmt einen Duft wie von feinen Zigarren“, notierte sie.

Ähnliches muss sich wohl auch die amerikanische Lyrikerin Amy Lowell gedacht haben. Sie deckte sich vor Beginn des 1. Weltkrieges mit 10.000 ihrer geliebten Manilas ein. Für sie, wie später für Greta Garbo oder die Schauspielerin Adele Sandrock, waren Zigarren über den reinen Genuss hinaus auch immer ein Zeichen der Selbstbestätigung, des weiblichen Erfolges in einer Männerwelt.

Selbst Julie Andrews und Bette Midler verewigten das Bild der selbstbewussten, zigarrenrauchenden Frauen in einigen ihrer schönsten Hollywood-Filme.

Nicht nur auf Zelluloid, sondern auch in der Gegenwart nutzen Zigarrenliebhaberinnen ihren Genuss zur Selbstdarstellung. Etwa die türkische Politikerin Semra Özal, die sich – der Wirkung bewusst – bei öffentlichen Auftritten gern mit Zigarillo zeigt, oder Demi Moore, mit einer dicken Villiger No. 6.

Die Zigarren in Frauenhänden also ein äusseres Zeichen der inneren Emanzipation? Aber ja doch, ein Blick nach Dänemark und in die Niederlande unterstreicht diesen Gedanken. Schliesslich gibt es gerade dort unzählige Zigarrenliebhaberinnen, und nicht umsonst gelten diese Länder in Europa als besonders liberal.

Kommentare

  1. Schmolk www.livejournal.com

    Ebenfalls anlässlich des Weltfrauentags las ich heute nochmals in dem Standardwerk „Das Taschenbuch des Pfeifenrauchers“ von Hochrain das Kapitel „Blauer Dunst von zarten Lippen“.

    Das Buch stellt immerhin das positive Beispiel einer – betont einer – „weißen Rabenfrau“ vor, die den Männern in Sachen Tabak an Können und Wissen ebenbürtig wäre. Gleich darauf jedoch wird erwähnt, die Tradition des Pfeiferauchens sei von Männenr und ausschließlich für Männer entwickel und geformt worden. An die Frauen der Raucher wird lediglich noch appeliert, ihrem Manne keine Pfeife nach dem eigenen Geschmack zu schenken.

    Erwähnt werden sollte noch, dass das Werk z.B. Victor Hugo („Tabak verwandelt Gedanken in Träume.“) zu den Tabakgegnern rechnet…

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