Manuel Fröhlich Historisches

«Das Ende einer Tabaksorte»

Dieses Jahr wird in Deutschland zum letzten Mal der Geudertheimer Tabak angebaut, wie Baden Online schreibt. Zuletzt waren die Firmen Arnold André und Dannemann Abnehmer und setzten den Tabak in der Zigarrenproduktion ein. Weil der Preis nicht mehr konkurrenzfähig war, wurden die Lieferverträge nicht mehr verlängert. Damit endet eine 250-jährige Tradition.

(..) Die Firma Andree aus Bünde in Westfalen wird die Anbauverträge, die sie 2010 nach Ende der EU-Tabakmarktordnung mit den Pflanzern abgeschlossen hat und die jetzt auslaufen, nicht mehr verlängern. Die dunkle Sorte Geudertheimer als Zigarrentabak kann preisgünstiger in Übersee produziert werden.

Deutscher Geudertheimer Tabak wurde wegen seines guten Aromas von der Tabakindustrie gekauft, ist aber den Firmen inzwischen zu teuer und kann zu den nun gebotenen Preisen nicht angebaut und erzeugt werden. Geudertheimer war die traditionelle Tabaksorte im Ried früher auch im Hanauerland und in der Vorbergzone. Der Tabak wurde in vier Erntestufen Grumpen, Sandblatt, Haupt- und Obergut von Hand geerntet, danach zu Hause, früher mit der Nadel und Anstechmaschine und nun mit der Einnähmaschine auf Bandeliere gebracht. Diese werden zum Trocknen in die Tabakschuppen aufgehängt, die die Dorfbilder heute noch prägen.

Bei den Tabakfirmen wurde der Tabak fermentiert, das heißt einem Gärungsprozess unterworfen und kam dann zur Verarbeitung. Bis Ende des vorigen Jahrhunderts war die Firma Rothhändle in Lahr der größte Käufer des badischen Geudertheimer Tabaks, der zu einem gewissen Anteil in den naturreinen Zigaretten Reval und Rothhändle verarbeitet wurde. Ab 2000 wurde der Geudertheimer Tabak an Handelsfirmen und an die Firmen Burger Dannemann und Andree als Zigarrengut verkauft.

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