Manuel Fröhlich Historisches

«Stinckende Tobacks-Menschen»

Die Regionalzeitung «Trierische Volksfreund» hat einen Artikel über historische Rauchgewohnheiten von Frauen der Region veröffentlicht. Darin ist zu erfahren, dass das Pfeifenrauchen auf dem Land viele Anhängerinnen hatte, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Einen kleinen Zustupf konnte man sich als «Einraucherin» verdienen:

Nahezu in alle Orten der Eifel sind Frauen bekannt, die liebend gerne Tonpfeifchen rauchten oder diese «Hänschen» gegen Entgelt für andere anrauchten. Das war nichts Außergewöhnliches. Gerade, wenn neue Pfeifen – erst recht Tonpfeifen – in Gebrauch genommen werden, schmecken die ersten zig Pfeifen scheußlich. Erst wenn die Pfeifen «eingeraucht» sind, wenn die Teerbestandteile des Tabaks die Pfeifenwand abgedichtet haben, kann das Pfeifenrauchen zum Genuss werden. Und für diese «Arbeit» suchte man sich «Einraucher», die dann zur Belohnung wenige Münzen oder ein Päckchen Tabak bekamen.

Manuel Fröhlich Historisches

Zigarren im Museum

In einem Museum in Westfalen hat eine Zigarrenrollerin von August Schuster in Bünde das traditionelle Zigarrenmacher-Handwerk vorgestellt, wie die «Neue Westfälische»  berichtet:

500 Zigarren am Tag habe eine Zigarrenmacherin schaffen können. Heute werden die Aufgaben rund um das Drehen von Tabak maschinell ausgeführt. Zigarrenmacherin Bökenkrüger ist seit 60 Jahren im Geschäft und dreht für Tabak Schuster in Bünde.

Hoffen wir einmal, dass die Zigarre nicht eines Tages komplett ins Museum verbannt wird. Man bekommt das Gefühl, dass nicht mehr viel fehlt, liesst man etwa folgenden Abschnitt:

Viele der Besucher in Hiddenhausen erzählten von ihren eigenen Erfahrungen mit Zigarren, Stumpen und verschiedenen Tabaksorten. Sumatra- und Brasil-Zigarren durften im Holzhandwerksmuseum jedoch nur angesehen werden. Der Verkauf wäre ohne weiteres nicht möglich. «Das verbietet der Zoll» , berichtete Zigarrenmacherin Bökenkrüger.

Manuel Fröhlich Historisches

«Der Davidoff-Mann»

Die Basler-Zeitung würdigt heute im Artikel «Der Davidoff-Mann» das Lebenswerk von Dr. Ernst Schneider, dem langjährigen Präsidenten der Oettinger Davidoff Group.

Er hat die lokale Firmenlandschaft um ein weiteres global ausgerichtetes Milliardenunternehmen ergänzt – und erst noch in einer Branche, die nicht aus der traditionellen Basler Chemie- und Pharmaindustrie hervorgegangen ist. Im Luxustabakgeschäft rangiert die Oettinger-Davidoff-Gruppe heute weltweit ganz vorn. Dies verdankt sie dem systematischen und konsequenten Aufbau der Marke Davidoff durch Ernst Schneider, einem intelligenten und schlauen Visionär.

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Die Zigarren von Reichsmarschall Göring

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Das britische Auktionshaus Golding, Young & Mawer hat diese Woche Zigarren aus dem Privatbestand von Hermann Göring versteigert, die nach dem 2. Weltkrieg über einen britischen Soldaten den Weg nach Grossbritannien gefunden haben und kürzlich in dessen Nachlass wieder auftauchten, wie die Hamburger Morgenpost berichtet. Die Zigarren sind mit «Sonderanfertigung Reichsmarschall Hermann Göring»  beschriftet. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Hitler den Tabakgenuss bekanntlich scharf ablehnte und seinen Soldaten das Rauchen nach dem Endsieg abgewöhnen wollte. Versteigert wurden die Zigarren Görings für 1300 Pfund.

Manuel Fröhlich Historisches

Kleines Plädoyer für mehr Faktentreue im Zigarren-Journalismus

Das Online-Magazin CIGARintern hat in den beiden letzten Ausgaben die Geschichte der Marke Cohiba nacherzählt (Ausgabe 17 und Ausgabe 19). Das Unterfangen ist löblich und das Magazin kostenlos. Allerdings präsentiert der Text viele historische Details, die nicht durch Quellen belegt sind und sich wohl auch nicht belegen lassen. Deshalb ist es meines Erachtens nötig, auf einige problematische Stellen hinzuweisen.

In jene Zeit der Irrungen und Wirrungen passt denn auch eine Entscheidung des Máximo Líders, als er, wie er glaubt, auf die brillante Idee kommt, nur noch eine einzige Havanna-Marke herstellen zu lassen. (..) ALS ›SIBONEY‹ GETAUFT, soll also die einzige Havanna-Marke fortan den Ruhm kubanischer Cigarrenmacherkunst in alle Welt tragen. Das ehrgeizige Vorhaben geht gründlich daneben – die Absatzzahlen der exportierten Havannas, vertreten allein durch die »Aushänge-Cigarre«, gehen rapide zurück.

Vermutlich handelt es sich hierbei um ein falsches Gerücht. Für die Einheitsmarke Siboney gibt es keine historischen Belege, die Umstellung auf eine Einheitsmarke ist in keinem historischen Katalog dokumentiert. Fidel Castro selber hat diese Aussage in einem Cigar Aficionado-Interview von 1994 dementiert. Vermutlich stützt sich die zitierte Darstellung auf Aussagen von Zino Davidoff. Hier wäre es hilfreich, wenn der Autor seine Geschichte mit einer Quelle belegen würde. Wenn es diese Quelle gibt: Fantastisch. Dann werden die Zigarren-Geschichtsbücher umgeschrieben.

ES IST KEIN GERINGERER als Che Guevara, Weggefährte Castros zu Zeiten des revolutionären Kampfes und strategischer Kopf der Guerilla-Bewegung, der vom Máximo Líder den Auftrag erhält, das »Unternehmen Cohiba« zu einem guten Ende zu führen. Der argentinische Arzt, wie Castro Cigarrenraucher aus Leidenschaft, in den ersten Jahren nach der Machtübergreifung Vorsitzender der Nationalbank Kubas, seit 1961 Minister für Industrie, geht die Aufgabe mit Verve an.

Das Buch «We shall call them COHIBA»  von Adargelio Garrido de la Grana hat die Geschichte von Cohiba detailliert nachgezeichnet. Che Guevara wird darin aber mit keinem Wort erwähnt. Es war vielmehr Bienvenido Pérez Salazar, bekannt unter dem Namen Chico, der im Auftrag von Fidel Castro eine Rollerschule für Frauen aufbaute, aus der später die Cohiba-Manufaktur El Laguito hervorging.

»ICH WERDE JETZT etwas über die ›Cohiba‹ erzählen. Irgendwann bemerkte ich, dass einer meiner Leibwächter stets eine sehr aromatische Cigarre rauchte. Er erzählte mir, es sei keine spezielle Marke – er habe sie von einem Freund, der Cigarren mache und ihm immer welche gebe. Ich probierte die Cigarre und fand sie so gut, dass ich sagte: ›Lass uns zu deinem Freund gehen.‹ Wir trafen und fragten ihn, wie er diese Cigarre herstelle. Dann errichteten wir eine Werkstatt in ›El Laguito‹, und er erläuterte uns seine Tabakmischung. So erzählte er uns, welche Blätter von welchen Plantagen er verwendete, welche Deckblätter und so weiter. Wir fanden ein paar Cigarrenmacher, gaben ihnen das nötige Material, und so wurde die Fabrikation aufgenommen.«

Nun zitiert der Autor Fidel Castro höchstpersönlich; das Zitat soll aus einer Rede von Fidel Castro stammen, welche dieser im Cabaret Tropicana im Jahr 1997 anlässlich der 30 Jahr Feier von Cohiba gehalten haben soll. Grossartig, obwohl Castro die Fakten wohl etwas zurecht gebogen hat – sofern er das tatsächlich gesagt hat. Gibt es dafür eine Quelle oder Aufzeichnung? Hier verschenkt der Autor viel, weil er die Karten nicht auf den Tisch legt.

FÜR »REINE FAKTEN« kann man auch »nackte Fakten« sagen. Solche Fakten sind langweilig, da ohne Beiwerk – und wo kein »Beiwerk« ist, kann auch keine Phantasie entstehen. Für eine Marke beziehungsweise ein Produkt ist es stets förderlich, wenn sich hierum Legenden und Geschichten ranken, denn sie machen das Interessante aus, das nicht Greifbare, lassen Träume und Phantasien entstehen – und irgendwann einen Mythos.

Dem Autor wurde wohl selber etwas unheimlich. Trotz dieser nachgereichten Exkulpation habe ich wenig Verständnis dafür, dass man die Geschichte von Cohiba mit erdichteten Anekdoten aufpoliert und als wahr verkauft. Nichts gegen einen poetischen Schreibstil. Aber warum sich nicht einfach auf Fakten stützen und hie und da auch eine Quelle zitieren? Die Geschichte von Cohiba ist derart spannend, dass sie keine Märchen nötig hat.

Manuel Fröhlich Historisches

Die Geschichte der Partagas Salomones II

Auf der Seite der Casa del Habano Hamburg von Christoph Wolters steht zur Zeit ein limitierter Partagas Especialidad 1996 Salomones II Humidor zum Verkauf. In der Illustrierten Enzyklopädie der postrevolutionären Havanna-Cigarren kann man nachlesen, dass der Händler Christoph Wolters einst in die Entwicklung dieses speziellen Formats involviert war. Die komplette Geschichte hat Christoph in einem längeren Text niedergeschrieben. Hier nur ein kurzer Ausschnitt, der zum Lesen anregen soll:

(..) The battle between my supporters and the opponents came to the peak when Senora Amalia announced any cigar like the Salomones could not be commercially released as it would interfere with a brand coming out in some time (what she meant was the CUABA brand).

No cigar like mine possible ? 1500 sticks ready. It was time for more Mojitos with Jaime, Jorge Luna and Crisanto, the production head of Partagas. Telling my supporters about the problem Habanos S.A. had with the vitola Crisanto had the idea to solve it. We should cut a bit off the foot, call them Salomones II and everybody would be happy. So Crisanto created the new vitola, the name and Faustino Ramons only had to cut off a bit from the 1500 sticks he had finished by then.

I flew back home knowing I had started a very complex issue as I now needed to sell the stick. Now, what a man starts he has to finish. Speaking to the sole importer of Cuban cigars to Germany about the soon incoming cigars ordered by me they had to (!) arrange shipping, import and calculation. The price of one of my commissioned cigars (officially imported and distributed to me) was fixed at 100.- Deutsche Mark (today 50 Euro/65 USD) and thus they turned out being the most expensive Cuban smokes on the market in 1996.

Manuel Fröhlich Historisches

Tabakanbau als Kulturprojekt

Die Stadt Lorsch in Südhessen erinnert sich der eigenen Tabakvergangenheit und hat im Rahmen eines Kulturprojekts ein Tabakfeld angebaut, das zusammen mit Freiwilligen bewirtschaftet wird. Am Schluss soll eine eigene Zigarre gerollt werden. Über das Projekt berichtet die Lampertheimer Zeitung:

Ausgangspunkt für die neue Aktivität ist das von der Stadt gepachtete zweimal 800 Quadratmeter große Tabakfeld, das genau vor der letzten verbliebenen Tabakscheune liegt, die heute ein Industriedenkmal ist und an der neu entstehenden Kulturachse liegt. Zwei Projektleiter des Heimat- und Kulturvereins, Thomas Schumacher und Bernhard Stroik, betreuen das Feld, Anzucht, Anpflanzung und Ernte. Die Arbeiten auf dem Feld sollen per Hand verrichtet werden.

Über die Kerwefeiertage 2012 wurden interessierte Helfer „angeworben“, die bereits seit Ausbringung des Samens in diesem Frühjahr mit dabei sind. Am Samstag, 3. August, trafen sich die Beteiligten noch vor Beginn der Sommerhitze morgens um 8 Uhr, um beim Lesen der ersten Tabakblätter – der sogenannten Sandblätter – zu helfen. Die Blätter wurden zunächst gebrochen, dann zu „Barren“ gebunden und auf einer Rolle mit einem Trecker auf einen Bauernhof gefahren. Zeitweise waren dort dann über 30 Personen damit beschäftigt, die Tabakblätter aufzunähen und in der Scheune zum Trocknen aufzuhängen.

Manuel Fröhlich Historisches

Geschichte der dominikanischen Zigarrenindustrie

Für einen Artikel über die neue Davidoff Nicaragua (erscheint zur Inter-tabac im Cigar Clan) habe ich nach Informationen zur Entwicklung der Zigarrenindustrie in der Dominikanischen Republik gesucht und bin dabei auf dieses interessante Referat von Procigar Präsident und Davidoff Mastermind Hendrik Kelner gestossen. Wer ähnliche Informationen sucht, wird hier fündig.

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Biografia del Tabaco Habano

In diesem Frühling nach dem Festival del Habano habe ich endlich den Beschluss gefasst, Spanisch zu lernen. Zur Motivation habe ich aus Kuba das Büchlein «Biografia del Tabaco Habano» mitgebracht. Es hat gewirkt, das Buch habe ich inzwischen gelesen.

Die «Biografia del Tabaco Habano» beschreibt die Geschichte des kubanischen Tabaks, den Tabakanbau und die Zigarrenfertigung, ein Schwerpunkt bildet die Rolle der kubanischen Tabaqueros im Kampf gegen Kolonialherren, Grossgrundbesitzer und korrupte Politiker. Der Clou dabei: Das Buch ist in der ersten Auflage 1959 erschienen, im Jahr der kubanischen Revolution, und beschreibt die Zigarrenindustrie der vorrevolutionären Ära. Dazu kommt, dass mein Exemplar aus der zweiten Auflage zwei Jahre später auf den Markt kam und zusätzlich Anmerkungen zu den Konsequenzen der Revolution für die Habanos-Produktion enthält. Das Vorwort der zweiten Auflage hat, gewissermassen als Zugabe, Ernesto Che Guevarra geschrieben.

Etwas Druck ist auch nicht schlecht fürs Sprachen lernen. Den habe ich mir auferlegt, indem ich Cigar Clan einen Artikel über die «Biografia del Tabaco Habano» angekündigt habe. Das Ergebnis kann man jetzt nachlesen; im Beitrag «Revolutionswirren» stelle ich einige Passagen aus dem spannenden Zeitdokument vor.

Manuel Fröhlich Historisches

«Davidoff – wie der Genfer Zigarrenzar die kubanische Tabakindustrie rettete»

Im Jahr 1971 ist die kubanische Tabakindustrie gut 10 Jahre verstaatlicht. Seit 1968 fertigt Kuba für Davidoff eine Zigarrenserie unter seinem Namen. Und ein Jahr zuvor, 1970, verkaufte Davidoff sein Geschäft in Genf an die Firma Oettinger in Basel, Davidoff war ein gemachter Mann.

In eben diesem Jahr 1971 erschien in einem deutschsprachigen Magazin ein Portrait über Zino Davidoff, überschrieben mit dem Titel «Davidoff – wie der Genfer Zigarrenzar die kubanische Tabakindustrie rettete und Fidel Castros ewige Dankbarkeit erwarb». Darin erzählt Davidoff, wie er die kubanische Zigarrenindustrie gerettet habe, indem er Fidel Castro geraten habe: Schafft die Einheitszigarre Siboney wieder ab und bringt die alten Marken zurück. Davidoff gibt zu Protokoll, dass der Markt zwei Jahre nach der Einführung der «Siboney» zusammengebrochen sei.

Über die Einheitszigarre Siboney haben wir schon diskutiert – die Indizien deuten darauf hin, dass es diese Zigarren nie gegeben hat. Fidel Castro selber hat diese Darstellung gegenüber Cigar Aficionado dementiert. Man kann nur spekulieren, warum Davidoff diese Geschichte trotzdem so erzählt; vielleicht haben die Kubaner nach der Revoultion tatsächlich zu wenig Rücksicht genommen auf den früheren Geschmack der Marken, und Davidoff hat den Kubanern diesbezüglich Hinweise gegeben.

Wie auch immer, dieses Portrait ist ein grossartiges Zeitdokument. Mein Dank gilt Cosimo Errico vom La Corona Rapperswil, er hat die Magazinseiten von einem Kunden bekommen und sie freundlicherweise weitergegeben hat. Aus welchem Magazin der Artikel stammt, ist übrigens unbekannt.