Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Partagás-Gala

Die Galanacht zum Abschluss des XX. Festival del Habano war der Marke Partagás gewidmet. Gefeiert wurde die Erweiterung der Partagás-Maduro-Linie um zwei neue Formate. 1500 Gäste dinierten in einer riesigen Halle an festlich geschmückten Tischen, empfingen aus den Händen schöner Kubanerinnen nach jedem Gang eine neue Zigarre, genossen ein farbiges Showprogramm und nützten die Gelegenheit für ein Schwätzchen hier und da.

Ercan Hazar aus Wien wurde als Hombre del Habano ausgezeichnet. Habanos würdigte seine Erfolge als umsatzstärkster Habanos-Händler Österreichs. Mit der Auszeichnung bedankte sich Kuba auch für eine Spende an das Tabakmuseum in Havanna in Form von Zigarrenraritäten mit einem geschätzten Wert von über 100’000 Euro. Zudem wurde Hazars Einsatz im Kampf gegen die Anti-Tabak-Regulierungen in Österreich hervorgehoben.

Der Rum wurde serviert, und als auf der Bühne die Orishas gross aufspielten, sprang der Funke auch bei den abgeklärten Alles-schon-einmal-erlebt-Veteranen des Festivals über. Dann das traditionelle Finale der Galanacht: die Versteigerung der Sonderhumidore zu Gunsten des kubanischen Gesundheitssystems. Für jeden Geschmack fand sich unter den künstlerisch gestalteten Einzelstücken etwas. (Aber nicht für jedes Portemonnaie.) Richtig in Fahrt kam ein arabischer Gast, der gleich drei Humidore ersteigerte und dafür über 500’000 Euro nach Kuba überweisen wird. Der Gesamterlös der Auktion betrug über 1.4 Millionen Euro.

Die Zigarrenneuheiten des Abends hat Ihr Berichterstatter noch nicht geraucht, denn er nimmt seine Arbeit sehr ernst und will die neuen Formate mit frischem Gaumen geniessen. Das Festival ist zu Ende, aber noch nicht meine Zeit in Kuba. Ich freue mich auf letzte freie Tage an der Wärme und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

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Wiedersehen mit Partagas-Maestro-Ligador Arnaldo Vichot Roja

Vor drei Jahren durfte ich für das Cigar Journal mit dem Partagas-Maestro-Ligador Arnaldo Vichot sprechen und ihn zu den Blending-Geheimnissen der kubanischen Zigarrenbranche befragen. Vor zwei Jahren wurde er als Hombre Habano ausgezeichnet, der höchsten Ehre der kubanischen Zigarrenindustrie. Heute traf ich den bald 88-jährigen Master Blender erneut und besprach mit ihm, was ich in Pinar del Rio über die Rückverfolgbarkeit der Tabake gelernt habe.

Für die Auswahl der Partagas-Tabake stützt sich Arnaldo Vichot auf zwei zentrale Kriterien: Die Blattstärke – Seco, Volado oder Ligero – und die Zone. Für die Zone unterscheidet er zunächst zwischen San Juan y Martinez (interne Bezeichnung V12) und San Luis (V13). Jede Hauptregion verfüge aber über Subzonen. In San Juan y Martinez gibt es deren neun, als Beispiel nannte er V12-46, das Kürzel steht für die Zone Santa Damiana.

Ich hakte nach und zeigte ihm das Foto der Etikette, die ich vorgestern in Pinar del Rio sah. Darauf ist keine Subzone vermerkt. Die Herkunft wird mit San Juan y Martinez angegeben. «Esta tarjeta es mal hecho», sagte dazu Arnaldo Vichot. Diese Etikette sei nicht korrekt ausgefüllt. Die Zonen-Information könne aber trotz der ungenauen Etikette weitergegeben werden, beispielsweise über die Faktura. In der Despalilla wird jeweils eine Zone nach der anderen fermentiert, das bestätigte auch der Leiter der Despalilla.

Gewisse Zonen umfassen «Vegas Primeras» mit den besten Qualitäten. Weitere Vegas produzieren zweite oder dritte Qualität. Arnaldo Vichot erklärte mir, dass Zigarren, die 20 Dollar das Stück kosteten, natürlich bessere Qualitäten enthalten würden als Zigarren, die nur die Hälfte kosteten.

Partagas sei eine kräftige Marke und deshalb würde er vornehmlich Tabake von San Juan auswählen. Das hat mich überrascht, da ich San Juan auch wegen der Hoyo de San Juan mit einer eher milden Charakteristik verband. Generell sei es aber gerade umgekehrt: In San Luis wachsen aromatische Tabake, die beispielsweise für Romeo y Julieta verwendet werden. Tabake aus San Juan sind öliger und kräftiger und für ihn als Partagas-Blender erste Wahl.

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Besuch bei H. Upmann

Der Festival-Tross besuchte dieses Jahr die Fabriken H. Upmann und La Corona. Ich entschied mich für eine Visite bei H. Upmann. Dabei kam es zu einem Wiedersehen mit einer Dame der Qualitätskontrolle, die ich vor zwei Jahren schon einmal fotografiert hatte. Sie erzählte, dass sie seit vierzig Jahren in der Tabakbranche arbeitet. Sie war früher Rollerin, unternahm als Torcedora auch Reisen in verschiedene Länder. Schliesslich wurde sie Lehrerin für neue Zigarrenroller. Jetzt arbeitet sie in der Qualitätskontrolle. Mit ihrer Zugmaschine testet sie die Produktion von etwa 20 Rollern und zwar nicht Stichproben, sondern 100 Prozent der Produktion.

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Die Ernte wird eingefahren

Am heutigen Dienstag besuchten die Festival-Gäste Pinar del Rio im Westen Kubas. Hier wachsen die Tabake, aus denen unsere geliebten Havannas gerollt werden. Verteilt auf Gruppen besuchten wir in diesem Jahr Farmen und Verarbeitungsbetriebe in der Region San Juan y Martinez, einer der beiden Subregionen der Vuelta Abajo. Unsere Tour führte uns zunächst in eine Escogida. Hier werden die Tabake nach Grösse, Qualität und Blattstufe sortiert, nachdem die Blätter auf den Farmen geerntet und getrocknet wurden.

Letztes Jahr bot sich hier ein spezielles Schauspiel. Arbeiterinnen sortierten fleissig kleine Tabakbündel. Als wir den Raum verliessen, stellten sie ihre Arbeit wieder ein. Sie spielten uns ihre Arbeit wirklich nur vor. Dabei war 2017 ein gutes Jahr. Was wir letztes Jahr erlebten, hängt mit dem Zeitpunkt des Festivals zusammen. Es fällt mitten in die Ernte, die Verarbeitungsbetriebe verarbeiten in dieser Phase aber noch die letzten Vorräte der Vorernte. Das Bild, das wir in diesem Jahr antrafen, war ein ganz anderes: Geschäftiges Treiben, Tabakstapel überall. Der Leiter der Escogida konnte das gute Gefühl, das uns vermittelt wurde, mit Zahlen unterlegen. Im Jahr 2016 verarbeitete sein Betrieb 160 Tonnen Tabak, letztes Jahr 230 Tonnen, dieses Jahr rechnet er mit 275 Tonnen, wobei es sich hier nicht um eine Planvorgabe handle, sondern um eine qualifizierte Schätzung basierend auf den Meldungen der Tabakbauern.

Für unseren Besuch hatte sich die Escogida auch dieses Jahr fein herausgeputzt. Als wir eintraten, setzte eine Vorleserin zu einem innbrünstigen Rezitat eines Gedichts über den Tabak an. Den Raum schmückten neben den üblichen Revolutionsparolen auch Zeichnungen und Gedichte über den Tabak, verfasst von den Mitarbeiterinnen des Betriebs, wie ich erfuhr. Und obendrauf: Ein riesiges Blumenherz zu Ehren Fidels. Alles sei genau so geplant worden für den heutigen Tag, erklärte mir die Vorleserin. Es sei selbstverständlich ein Schauspiel, das sie aufführten, dies sei ihre Art, uns mit Stolz ihre Arbeit zu präsentieren.

Ich erfuhr danach noch folgendes: Die von uns besichtigte Escogida wird von 222 Bauern mit Tabak beliefert. In ganz San Juan gibt es 26 Escogidas. Alle Tabake, die unsere Escogida in den nächsten Wochen erhält, werden gemischt, die Rückverfolgbarkeit zum Tabakbauern ist nicht mehr möglich. Ergo lassen sich nach dem Sortieren der Tabake nur noch 26 Zonen unterscheiden.

Nachdem die Blätter in der Escogida sortiert wurden, gehen sie weiter in nächsten Verarbeitungsbetrieb mit dem Namen Despalilla. Hier werden die Mittelrippen entfernt und die Tabake fermentiert. Wir besuchten den selben Betrieb wie im Vorjahr – die einzige Despalilla der Region San Juan. Auch hier stand der Betriebsleiter Red und Antwort zur Frage, ob die Tabake nach der Fermentation noch einzelnen Escogidas zuweisbar sei. (Meine «Investigativ-Fragen» wurden übrigens mit grosser Freundlichkeit und wie ich das Gefühl habe nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Schon im Vorjahr fiel mir auf, dass das Klima offener und weniger ängstlich war als früher). Seine Antwort: Nein. Aus 26 Escogidas werden in der Despalilla neun Zonen, die man unterscheide und nicht vermische. Wir stehen vor einem Tabakballen, der fertig verpackt ist für die Reise nach Havanna. Auf der Etikette sind vermerkt: Die Blattkategorie, das Datum und als Zone: «San Juan y Martinez». Allgemeines Erstaunen und Werweissen.

Zum Abschluss besuchten wir die Tabakbauern Carlos und Herado Medina. Die beiden Brüder führen das Erbe des letztes Jahr verstorbenen Herado Medina Senior weiter, der 2006 als Hombre del Habano ausgezeichnet wurde. Die freundlichen Farmer und ihre Mitarbeiter führten uns voller Freude duch ihre Felder und das Trocknungshaus. Man müsste gar nicht fragen: Es ist eine ausgezeichnete Ernte. Am Ende werde ich gebeten, ein Familienfoto aufzunehmen. Dieses konnte ich bereits elektronisch übermitteln. Carlos Medina arbeitet nebenher in der Tabakforschung und hat einen Facebook-Account.

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Stolz und Herrlichkeit

Der erste Festivaltag hielt für die Schweizer Gruppe eine weitere Überraschung bereit. Der Schweizer Habanos-Importeur Intertabak lud zu einem Tasting der neuen La Gloria Cubana Orgullosos Edición Suiza 2018 ein. Der Name «Orgulloso» (deutsch: stolz) nimmt auf den Markenname Bezug: Die Glorie / Herrlichkeit Kubas. Das Format mit dem rund zulaufenden Kopfende erinnert an die Punch Clasico Edición Suiza 2012 und ist in seinen Abmessungen in der Tat identisch mit der früheren Schweizer Regionales-Zigarre (50 x 18.4). Ein schönes Format und eine schöne Marke, die zuletzt von Habanos äusserst stiefmütterlich behandelt wurde. Die bei vielen Aficionados wegen ihres milden Charakters beliebte La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 2 ist definitiv vom Markt verschwunden, im Standardportfolio von La Gloria Cubana übrig geblieben ist nur die recht kleine und sehr schlanke Medaille D’Or No. 4.

Die nur für die Schweiz produzierte Zigarre wird in einer Auflage von 6000 Kisten à 10 Zigarren im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Zeitpunkt und Preise sind noch unbekannt. Zu erfahren war, dass Habanos dem Schweizer Importeur jeweils stolze Einstandspreise verrechnet und es keinen Verhandlungsspielraum oder gar ein Mitspracherecht gibt. Im Falle der Sancho Panza Valientes Edición Suiza 2017, die aktuell auf dem Markt ist, verzichtete Intertabak gar auf einen Teil der sonst üblichen Marge, um einen noch einigermassen vernünftigen Endkonsumentenpreis zu ermöglichen.

Unsere Testzigarren waren vermutlich frisch bis sehr frisch. In der ersten Hälfte entwickelten sie einen nussigen Grundgeschmack mit Eindrücken von Kaffee, Röstnoten und Süsse. In der zweiten Hälfte setzte Würze ein, die sich im weiteren Verlauf zu einer unangenehmen Schärfe wandelte. Alles ganz normal für eine junge Zigarre, etwas Lagerzeit wird aus der La Gloria Cubana Orgullosos eine sehr gute milde Havanna machen.

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Neuheiten Lineup 2018

Die Pressekonferenz am Montag Morgen eröffnete das XX. Festival del Habano und gab einen Überblick über das Programm und die uns erwartenden Zigarren-Neuheiten.

Die Cohiba Robusto Reserva Cosecha (deutsch: Ernte) 2014 wird heute Abend präsentiert. Die Tabake dieser Zigarre sind mindestens drei Jahre gereift. Sie wird in einer Auflage von 5000 nummerierten Kisten à 20 Kisten produziert und dürfte ein «save bet» sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich ihrer Wertentwicklung sein. Freuen dürfen wir uns auch auf eine Erweiterung der Partagás-Maduro-Serie: Die Partagás Maduro No. 2 ist ein Torpedo-Format mit dickem 55er Ringmass (12 cm Länge). Die Maduro No. 3 hat die Abmessungen 50 x 14.5 cm) und ist somit etwas länger und schlanker als die schon erhältliche Maduro No. 1 (52 x 13 cm).

Gute Nachrichten gibt es für die vielen Freunde der Hoyo de Monterrey Le Hoyo de San Juan. Der ersten Terroir-Zigarre Kubas – alle Tabake stammen aus der Vuelta-Abajo-Subregio San Juan y Martinez – wird eine grössere Schwester mit demselben Blend zur Seite gestellt: Die Hoyo de Monterrey Le Hoyo Rio Seco (56 x 14 cm). Erweitert wird auch die Vegueros-Linie. Herstellungsort der Vegueros Centrofinos (50 x 13) ist wie für die anderen Formate der Marke die Fábrica de Tabacco Torcido «Francisco Donatien» in Pinar del Rio. Die Marke zeichnet sich durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Der Name «Veguero» bedeutet «Bauer» und ehrt die Tabakpflanzer in der Region Pinar del Rio.

Romeo y Julieta lanciert einen auf 450 Stück limitierten Humidor Romeo y Julieta Grand Churchills (siehe Bild). Gefertigt wird der Humidor vom französischen Edelschreiner Elie Bleu. Die Romeo y Julieta Grand Churchills (56 x 19 cm) sind in einer Goldfolie verpackt. Jeder Humidor enthält 100 Zigarren. Die drei Ediciones Limitadas des kommenden Jahres heissen Romeo y Julieta Tacos (49 x 16.8 cm, präsentiert im 25er Kisten), Bolivar Soberano (54 x 14 cm, 10er Kisten) und H. Upmann Propios (46 x 12 cm, 25er Kisten).

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Spenden mit Genuss

Zum Auftakt des Festivals organisierten Adorini und das Cigar Journal gemeinsam einen Charity-Empfang für das schweizerisch-kubanische Kinderhilfswerk Camaquito. Eine prima Gelegenheit, um die deutschsprachigen Teilnehmer des Festivals kennen zu lernen. Ich habe gesichtet: Urs und Thomas Portmann mit Zigarren.Zone-Blogger Vasilij, die Jungs von Adorini (ich schreibe diesen Text am Messestand von Adorini und bedanke mich an dieser Stelle für die zur Verfügung gestellte Elektrizität), Vertreter von Intertabak und Christoph Puszkar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue. Letzterer erzählte mir, dass sich die deutsche Gruppe im Vergleich zu früheren Jahren dramatisch verkleinert habe. Nur zwei Händler aus Deutschland seien angereist. Die hohen Preise hätten den deutschen Kollegen die Lust auf das kubanische Zigarrenfest verdorben.

Stattdessen beehrten die Botschafter der Schweiz, Deutschlands und Österreichs (zu sehen auf dem Bild neben Vertretern des Cigar Journals, Adorini und Camaquito-Gründer Mark Kuster) den Camaquito-Empfang. Der Anlass brachte einen Erlös in der Höhe von rund CHF 5000 zu Gunsten des Kinderhilfswerks ein.

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Zurück in Havanna

Wieder beginnt in Kuba das Festival del Habana, eine einwöchige Festwoche zu Ehren der kubanischen Zigarre. Das Festival wird in diesem Jahr zum 20. Mal ausgetragen. Der Modus ist jedes Jahr derselbe: Abendveranstaltungen mit der Präsentation neuer Zigarren. (Diese kommen dann ein bis drei Jahre später auf den Markt. Grundregel: Je aufwändiger die Verpackung, desto länger die Verzögerung.) Seminare, die abgeschirmt von der karibischen Sonne in einem Sowjet-Bunker stattfinden und von erfahrenen Festival-Gängern nur punktuell besucht werden. Ausflüge nach Pinar del Rio, zum Ursprung des Tabaks, und in Havannas Zigarren-Fabriken. Die angekündigten Höhepunkte des diesjährigen Festivals sind die Lancierung einer Cohiba Reserva und die Erweiterung der Partagas-Maduro-Serie um zwei neue Formate.

In der Festivalwoche treffen wir Händler Kollegen, Freunde und manche unserer besten Kunden. Den ganzen Tag rauchen wir junge, kräftige, wunderbare Zigarren, geniessen Rum, Daiquiris und erfrischendes Bier. (Der neue Platzhirsch auf dem kubanischen Biermarkt ist, mich verstört es etwas, Heinecken. Die schmackhaften einheimischen Biere Cristal und Buccanero sind knapp, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Heinecken steht zur Zeit in jeder Bar und in jedem Laden. Aus Havanna verschwunden ist dafür Presidente, das Bier aus der dominikanischen Repulik. Buccanero und Cristal werden in einem Joint-Venture mit dem Bierkonzern Ambev produziert, zu der wahrscheinlich (Internetrecherche etwas umständlich) auch Heinecken gehört). Das Festival del Habano ist ein Branchentreffen, das von A-Z Spass macht.

Vor das Festival habe ich eine Ferienwoche gehängt, in der ich mich dem Schachspiel widmete. Kuba hat eine grosse Schachtradition und mit Raul Capablanca einen ehemaligen Schachweltmeister. Von der Schweiz aus nahm ich Kontakt mit dem Insituto Latinoamericano de Ajedrez auf, das die Schachaktivitäten in Havanna koordiniert. Das Institut vermittelte mir einen jungen kubanischen Schachgrossmeister, der mich eine Woche lang unterrichtete. Meine Stunden erhielt ich an bester Lage vis-a-vis des fast fertig renovierten Capitolios, in einem Sportzentrum, in dem auch Fussball und Boxen trainiert wird. Das Bild oben zeigt Teilnehmer eines Schülerturniers, das wir besuchen durften. Die siebenjährigen Kinder, die eine Stunde lang konzentriert Schach gespielt haben, beeindruckten mich sehr.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Rückblick auf das XIX. Habanos-Festival

Der Film zeigt Bilder der Festival-Woche. Auch meine Frau hat einen kurzen Auftritt, im letzten Teil zur Gala-Nacht.

Die Agentur Reuters schreibt in «Cuba struggles to satisfy cigar demand after bad crops» über die Lieferschwierigkeiten der kubanischen Zigarrenindustrie. Christoph Puskar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue prognostiziert im Beitrag, dass die Verfügbarkeit ab dem dritten Quartal «slighty better» werde. Ich werde zu den Auswirkungen auf unser Geschäft zitiert:

Manuel Froehlich, who owns a shop in Zurich selling Caribbean rum, coffee and cigars, said he was struggling to source a variety of Cuban products.

«We usually sell Cuban coffee in our shop but for two years we haven’t been able to source it,» he said. «They don’t have enough even for the domestic market because there are so many tourists.»

«Cigars, which make up half our revenue, are also hard. We started to have supply issues last year and it just got worse.»

Manuel Fröhlich Cigarren

Montecristo 1935: erste Eindrücke

Die Montecristo-1935-Serie war die Hauptattraktion des diesjährigen Habanos-Festivals. Die neue Montecristo-Linie umfasst die drei Formate Maltés (53 X 153 mm), Dumas (49 x 130 mm) und Leyenda (55 x 165 mm), ist kräftig geblendet und soll qualitativ und in der Folge auch preislich als Premium-Linie positioniert werden. Inzwischen habe ich das mittlere und kleine Format in Ruhe geraucht und kann erste Eindrücke übermitteln.

Die Montecristo 1935 Maltés entwickelt zum Auftakt Bittermandel-Noten, wie man sie bei kubanischen Zigarren dieser Tage regelmässig antrifft. Bald werden sie aber von Eindrücken von Kaffee, Kakao und Röstnoten abgelöst. Im Rauchverlauf ergänzen holzige Noten und eine schöne Montecristo-Erdigkeit das Bild. Für die holzigen Noten ist vermutlich der hohe Ligero-Anteil im Blend verantwortlich. Schneller entwickelt sich geschmacklich die kleine Dumas; den Bittermandel-Auftakt überspringt sie und zeigt sofort «dunkle» Kakao und Holznoten. Im Rauchverlauf habe ich mir zudem notiert: Kaffee, Brot, Röstnoten, holzig, erdig.

Der Rauch beider Formate ist weder cremig noch ölig sondern wirkt eher trocken. Auch fehlt es den Zigarren etwas an Körper und Volumen. Dafür überzeugen sie mit einem charakteristischen Geschmack mit schönen Kaffee-Kakao-Röstnoten, die sich von allem, was man bisher aus Kuba kennt, deutlich unterscheiden.

Die Verpackung in braun-lackierten Kisten übernimmt die Montecristo-1935-Serie von der limitierten Montecristo 80 Aniversario, die vor zwei Jahren präsentiert wurde und erst kürzlich auf den Markt kam. Das grosse Leyenda-Format entspricht sogar dem Format der Montecristo 80 Aniversario. Geschmacklich handelt es sich aber um zwei verschiedene Produkte. Wir haben hier in Havanna noch einige Montecristo 80 gefunden und konnten so die beiden Zigarren direkt vergleichen. Die Montecristo 80 Aniversario wirkt runder, voller und weicher, die Montecristo 1935 hat demgegenüber einen ausgeprägten Ligero-Geschmack.