Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Los Pequeños Reyes

In unserem Geschäft in Zürich spielen wir regelmässig Schach – übrigens gibt am 6. März der kubanische Landesmeister Carlos Daniel Albornoz bei uns eine Simultanvorstellung. Es bestehen Kontakte zum Schachverband in Kuba und in diesem Jahr organisierten wir in der Festivalwoche das kleine Schachturnier «Los Pequeños Reyes», mit dessen Erlös wir die Jugendarbeit der Schach-Community in Havanna unterstützten. Festivalbesucher durften gegen die besten jungen Spieler Havannas antreten. Wir spielten in einem Saal des Hotel Nacional de Cuba, in dem vor Jahrzehnten der kubanische Weltmeister Raul Capablanca ein Simultanturnier spielte. Den Sieg machten natürlich die Jungen unter sich aus. Erster wurde Hidalgo, der aktuell auch kubanischer Landesmeister in der Altersklasse U12 ist. Vielen Dank an alle, die bei der Organisation halfen, mitspielten oder gespendet haben!

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Der 2.4 Millionen Humidor

Das Grande Finale des Habanos Festivals war dieses Jahr der Marke Romeo y Julieta gewidmet. Wir wurden von einer beeindruckenden Szenerie mit Balkönchen, Rosen und Masken empfangen, alles im Italo-Romeo-Stil. In die riesige Pabexpo-Halle, wo das Gala-Dinner jeweils über die Bühne geht, passen mindestens 1500 Besucher und es blieben kaum Plätze leer. Das Dinner begann und Gang für Gang lernten wir die drei Formate der neuen Romeo y Julieta Serie d’Oro kennen. Der erste Eindruch überzeugte mich sehr mit einem ausgeprägt zedrigen Geschmack, dabei eher leicht, mit Röstnoten und Süsse. Wir haben uns natürlich einige Exemplare aufbewahrt für eine seriöse Degustation in aller Ruhe.

Als die Ehrung der «Hombre del Habano»-Gewinner kurz und bündig abgewickelt worden war und die erste Gäste sich bereits auf den Heimweg machen wollten, begann die Versteigerung der Sonderhumidore zu Gunsten des kubanischen Gesundheitssystems. Die Familie des letztes Jahr verstorbenen Simon Chase, der jahrelang die Auktion mit Erfolg geleitet hatte, stellte einen Sonderhumidor aus seinem Privatbesitz zur Verfügung. Dieses erste Lot fand einen Käufer für unglaubliche 380’000 Euro. Und es ging in diesem Stil weiter. Eine Auktionatorin von Christie’s addierte unerschrocken viele 100’000 Euro. Schliesslich geschah Historisches: Der Cohiba-Humidor knackte zuerst die Millionen-Grenze und fand schliesslich für 2.4 Millionen Euro einen Käufer.

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Besuch bei Partagás

Dieses Jahr öffneten die Fabriken La Corona und Partagás die Türen für die Besucher des Festivals. Wir entschieden uns für einen Besuch der Partagás-Manufaktur, die seit einigen Jahren nicht mehr im bekannten Partagás-Gebäude hinter dem Capitolio untergebraucht ist. Auf dem Produktionsplan standen unter anderem – immer noch – Cohiba Talisman Edición Limitada 2017.

Ich liess mir eine Statistik erklären, die an einer Wand hing und die Kennzahlen zu namentlich aufgeführten Torcedores liefert. Sie zeigt, aufgeteilt für Einlage, Umblatt und Deckblatt, wie genau es den Rollern gelingt, die zugeteilten Tabake in die geforderte Anzahl Zigarren zu verarbeiten. Steigt die Quote auf über 100 Prozent, bedeutet dies, dass für die Anzahl der gerollten Zigarren zu viel Tabak verwendet wurde. Mit verschiedenen möglichen Ursachen: Schwund, zu viel Tabak verarbeitet, was zu Zugproblemen führt etc. Die Zahlen zeichnen insgesamt ein sehr gutes Bild. Allerdings geben sie keine Auskunft über die Varianz der gerollten Zigarren zum Beispiel in Bezug auf das Gewicht.

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Das Festival nimmt Fahrt auf

Im Protokollsaal von El Laguito, wo früher Fidel Castro seine Worte an die Gäste richtete, lud Habanos am Mittwoch zu einem festlichen Abend. Thematisch war er dem 30-jährigen Jubiläum der Casa del Habanos und dem 85. Geburtstag von Montecristo gewidmet. Das Programm auf der Bühne war hochklassig und wir sassen zusammen mit der Intertabak-Führungsriege und Casa-Pionier Samuel Menzi aus Zürich an einem wirklich guten Tisch. Das Essen berauschte uns nicht, doch der Abend insgesamt sehr. Maestro Ronero Asbel Morales stellte den neuen Havana Club Tributo 2020 vor, der Teile der vier vorherigen Tributos kombiniert. Die neue Montercristo Herederos wurde uns am Ende des Abends überreicht, weshalb Eindrücke zum Geschmack später nachgeliefert werden.

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Deckblatt-Mekka Partido

In Pinar del Rio und der Vuelta Abajo wächst der Grossteil der Tabake für die Habanos-Produktion. Daneben existiert aber eine weiteres kubanisches Tabak-Mekka: Die Region Partido in der Provinz Artemisa, etwa auf halben Weg zwischen Havanna und Pinar del Rio. Hierhin führte uns Tag zwei des Festivals. Die Spezialität der Partido-Region ist die Deckblatt-Produktion. Je nach Jahr und Quelle stammen 30-60 Prozent aller Deckblätter von hier. Die Plantagen sind riesig. Wir besuchten Aurelio Reyes, der 111 Hektaren Land bewirtschaftet.

Die Plantagen sind mit Stoff überdeckt, um die Tabake vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. So entstehen grosse aber doch feine Blätter. Haben die Pflanzen die richtige Grösse erreicht – hohe Temperaturen führen zu einem schnelleren Wachstum – beginnt die aufwändige Ernte. Alle vier bis fünf Tage ernten die Arbeiter zwei Blätter pro Pflanze.

Die Blätter an den Pflanzen wirken riesig, mit Spannen von weit über 50 Zentimetern. Am Schluss als Deckblatt lässt sich aber nur ein relativ schmaler Streifen verwenden. Durch das Trocknen verlieren die Tabake später weiter an Grösse.

Die Trocknungsphase, die 19-21 Tage dauert, erfolgt in gut isolierten Häusern und unter kontrollierten Bedingungen. Bei Bedarf wird beheizt oder Feuchtigkeit zugeführt. Die Feuchtigkeit, die etwa 85 Prozent betragen sollte, spielt eine zentrale Rolle. Ohne Feuchtigkeit würden die Blätter zwar trocknen, können aber nicht die Farbe ändern sowie später den erwünschten Tabak-Geschmack entwickeln. Wird es hingegen zu feucht, droht Fäulnis. Ausserdem muss die Feuchtigkeit mit der Temperatur ein Gleichgewicht bilden. Die Kubaner beschreiben diesen Prozess deshalb nicht als trocknen («secar»), sondern als «curar».

Anders als in Pinar del Rio werden die Felder in Partido nicht pausenlos für den Tabakanbau genutzt, wie uns erklärt wurde. Nach drei Jahren Tabakkultivierung nützen die Farmer die Felder vier Jahre lang für den Anbau von anderen Pflanzen, etwa Bananen.

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Zum 25. Jubiläum von Intertabak

Havannas für unser Geschäft kaufen wir nicht direkt in Kuba sondern über den offiziellen Schweizer Habanos-Importeur Intertabak ein. In den Neunzigerjahren organisierte die kubanische Tabakindustrie die Distribution neu und gründete in wichtigen Märkten zusammen mit lokalen Partnern Importgesellschaften, an welchen sich Kuba beteiligte. In der Schweiz kam damals, zusammen mit einem weiteren Partner, Heinrich Villiger zum Handkuss. Die zu diesem Zweck gegründete Intertabak AG feiert dieses Jahr das 25-jährige Firmenjubiläum.

Den runden Geburtstag lancieren Kuba und Intertabak die «Quai d’Orsay Sélection Royale Edición Suiza 25 Years Intertabak». Für die Schweizer Festival-Teilnehmer organisierte Intertabak ein exklusives Tasting dieser neuen Zigarre.

Die Quai d’Orsay Sélection Royale im schönen 109-Format überzeugte mit einem cremigen und vollmundigen Geschmack. Ein richtiges Aha-Erlebnis, wenn man seit Tagen frische und deftige Custom-Habanos raucht. Unsere Testzigarren entwickelten eine deutliche Süsse und ein schönes Aroma, das mich an Lebkuchen erinnerte.

Die Markteinführung ist für «irgendwann im Laufe des Jahres» geplant. Die Zigarren werden – ein Highlight für Aficionados – in 50er Kabinett-Kisten verpackt. Produziert werden maximal 80’000 Zigarren, was 1’600 Kisten entsprechen würde. Seit einigen Jahren kommt es aber regelmässig vor, dass Kuba wegen Produktionsschwierigkeiten nicht das ganze Kontingent ausliefert. Bei der Preisgestaltung ist Intertabak vom Kuba abhängig und es wird erwartet, dass der Verkaufspreis leicht über jenem der letzten Edición Suiz von La Gloria Cubana liegen wird.

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Schön und teuer

Heute beginnt in Havanna das XXII Festival del Habano. Was uns Besucher erwarten wird, präsentiert Habanos SA jeweils an der Auftakt-Pressekonferenz.

Die wichtigste Neuheit heisst Romeo y Julieta Línea de Oro. Die neue Linie umfasst drei Formate: Dianas (52 x 145 mm), Hidalgos (57 x 125 mm) und Nobles (56 x 135 mm). Habanos kündigt die Zigarren als mittelkräftig an und positionert sie – wohl auch preislich – in der Oberklasse. Die farbig lackierten und gold verzierte Kistchen wirken edel.

Montecristo erhält das neue Format Herederos (47 x 162 mm). Es wird in der Linie «La Casa del Habano und Habanos Specialists Exclusive» lanciert und feiert das 85. Jubiläum von Montecristo. In der Kiste sind ein kleines Feuchteelement und ein Hygrometer integriert.

Sammler freuen sich auf die Bolívar Belisocos Finos Reserva Cosecha 2016, die heute Abend zum Auftakt des Festivals vorgestellt wird. In den Festival-Unterlagen kündigt Habanos sodann eine Edición Limitada an: Die Partagás Legado (48 x 157 mm). Wie üblich sollen ausserdem zwei weitere Ediciones Limitadas von Punch und Hoyo de Monterrey folgen, konnte ich in Erfahrung bringen. In der offiziellen Kommunikation sind diese heute aber nicht erwähnt.

Chinesische Gäste fehlen dieses Jahr weitgehend wegen des Corona-Virus, aber die Bedeutung des chinesischen Marktes wächst. Die Verkaufsgerüchte wurden nicht thematisiert, jedoch das rapide Wachstum des chinesischen Marktes vom 10 Prozent im vergangenen Jahr. Dass chinesische Händler in ganz Europa auf Einkaufstour gehen, ist in dieser Zahl noch nicht berücksichtigt. Habanos anerkennt die Entwicklung und sieht auch für das neue Jahr ein Sonderformat zum chinesischen Neujahrsfest vor.

Grössere Überraschungen gibt es keine. Eine Cohiba BHK 58 ebenfalls nicht, obwohl Gerüchte darüber auch hier in Havanna wieder aufkamen. Habanos setzt weiter auf höherpreisige Linien und auch der Trend zu aufwändigen und neuartigen Kistendesigns geht dieses Jahr weiter.

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Zurück in Havanna

Alle Jahre wieder freuen wir uns auf einige Tage im warmen Havanna rund um das Festival del Habano, das in diesem Jahr zum 22. Mal ausgetragen wird. Es ist ein wenig Geschäft und viel Entspannung, viel Zigarrengenuss und das eine oder andere Gläschen Rum, das wir hier geniessen dürfen. Ausserdem lernen wir ein Land und seine Menschen kennen.

Die Versorungslage ist prekär, die Leute stehen Schlange für Öl oder Eier. «Es ist nicht leicht», seufzt der Kubaner routinemässig. Bezin hat es scheinbar trotz Venezuela-Krise noch, die Taxipreise blieben stabil.

Die bisher gerauchten Zigarren sind sehr vielversprechend. Die Custom-Roller verfügen über wenig aber zum Teil guten Tabak. Offiziell sind sie angehalten, keine Formate grösser als Robusto zu rollen. Sie sollen nicht zu attraktiv werden und die Zigarren aus dem Standard-Sortiment überstrahlen. Doch unter dem Ladentisch geht das Geschäft weiter.

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Trinidad-Neuheiten überzeugen

Wer steht neben mir in der Schlange beim Einlass zur grossen Galanacht? A.J. Fernandez, Zigarrenproduzent aus Nicaragua, geboren und aufgewachsen in Kuba. Er besucht das Festival zum zweiten Mal. Sind die Kubaner stolz auf das, was er geschafft hat (innerhalb von 15 Jahren stieg A.J. Fernandez zu einem der grössten Zigarrenproduzenten Nicaraguas auf) oder reagieren sie reserviert? – «Sie reagieren reservert».

Die Marke Trinidad feiert dieses Jahr das 50-Jahr-Jubiläum und die Gäste der Galanacht durften die drei neuen Formate, die zu diesem Anlass lanciert wurden, erstmals geniessen. Alle drei Formate erhielten sehr gute Kritiken. Weltwoche-Journalist Florian Schwab, der zusammen mit der Uhrenmarke Zenit ans Festival flog (Zenit bringt eine Uhrenkollektion für die Marke Trinidad auf den Markt), genoss im Laufe des Abends alle fünf Trinidad-Formate und war besonders bezüglich der drei Neuheiten voll des Lobes. Tabakverkäuferin Verena Vollenweider aus Küssnacht empfiehlt ihren Kunden die Marke Trinidad als vornehme milde Zigarren («Hoyo de Monterrey für den Sonntag»). Mich überzeugten der weiche Rauch und die feine Süsse der neuen Grossformate, beides charakteristische Eigenschaften der Marke Trinidad. Dass Trinidad sein Sortiment auf einen Schlag quasi verdoppelt, ist ungewöhnlich, könnte aber Erfolg haben, wenn sich der tolle erste Eindruck bestätigt.

Wann die neuen Zigarren auf den Markt kommen, weiss niemand. Die neuen Partagas-Maduro-Formate, die an der letztjährigen Galanacht präsentiert wurden, sind noch nicht erhältlich.

Die festliche Stimmung und ein hochkarätige Rahmenprogramm, die Auktion der Humidor-Kunstwerke für einen guten Zweck (die diesjährige Versteigerung verlief zwar etwas holprig, brachte aber dennoch einen Erlös von 1.5 Mio Euro; fast wäre ein Humidor in die Schweiz gegangen: ein privater Sammler bot um den Montecristo-Humidor mit, stieg aber bei 200’000 Euro aus) und die Verleihung der Zigarren-Oscars «Premio del Habano» (zu den Gewinnern gehörte sehr verdient die umtriebige Zoe Nocedo, die unter anderem das Museo del Tabaco in Havanna aufgebaut hat) machten die Gala zu einem eindrücklichen Erlebnis und einem würdigen Abschluss des diesjährigen Festivals.

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Die Wiege von Trinidad

El Laguito ist die Vorzeige-Zigarenmanufaktur Havannas. Ursprünglich wurde das Gebäude nach dem «Triumph der Revolution» für eine Zigarrenrollerinnen-Schule bezogen. Daraus entwickelte sich eine Manufaktur, in der über Jahrzehnte Zigarren für Diplomaten, die Regierung und für Fidel Castro höchstpersönlich gerollt wurden – die Geburtsjahre von Cohiba und Trinidad. Eine kleine Anekdote am Rande: Der Grund für Fidel Castros Vorliebe für das Lancero-Format war offenbar die Angst vor Attentaten. Das schlanke Format erschwerte den Einbau einer Bombe.

Weil wir in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum von Trinidad feiern, stand heute der Besuch dieser geschichtsträchtigen Manufaktur auf dem Festival-Programm. Vor zwei Jahren wurde die Manufaktur zum 50-jährigen Jubiläum von Cohiba umfangreich renoviert. Der Zustand ist immer noch wunderschön.

Die sagenumwobene dritte Fermentation der Cohiba-Tabake in Holzfässer findet tatsächlich statt. Davon konnten wir uns heute im Blending-Raum überzeugen. Die Tabakblätter werden hierfür ohne vorherige Befeuchtung in ziemlich luftige Fässer gelegt, wo sie während 25-30 Tagen gut «durchlüften». «Fermentation» beschreibt diesen Verarbeitungsschritt deshalb nicht ganz präzise. Der Mitarbeiter im Blending-Raum erklärte mir, dass die systematische Fasslagerung auf die Initative des neuen Fabrikdirektors wieder eingeführt wurde.

El Laguito ist auch ein Ort, an dem Anspruch und Wirklichkeit aufeinander prallen. Auf der Fototour durch die Fabrik bekam ich mehrere Visitenkarten zugesteckt. Ich hätte nun die Möglichkeit, direkt ab Fabrik Zigarren zu kaufen. Inoffiziell, versteht sich. Später am Tag sprach ich mit einem hohen Funktionär von Cubatabaco, dem Staatsbetrieb, der die Zigarrenproduktion auf Kuba zusammenfasst. Er ist den Mitarbeitern nicht böse. «Niemand kann mit dem offiziellen Salär in Kuba überleben. Trotzdem leben wir alle.»

Der Schwund in den Fabriken sei das eine Problem (ein Folgeproblem sei, dass abgezweigte Tabake von den Rollern irgendwie ersetzt würden). Seit der Staat die Selbständigkeit fördere und neue einträglichere Jobs zum Beispiel im Tourismus entstünden, würden viele erfahrene Torcedores die Fabriken verlassen. Mein Gesprächspartner hofft auf höhere Saläre für die Mitarbeiter in der Zigarrenindustrie, um diese Entwicklung bald zu stoppen.