Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Deckblatt-Mekka Partido

In Pinar del Rio und der Vuelta Abajo wächst der Grossteil der Tabake für die Habanos-Produktion. Daneben existiert aber eine weiteres kubanisches Tabak-Mekka: Die Region Partido in der Provinz Artemisa, etwa auf halben Weg zwischen Havanna und Pinar del Rio. Hierhin führte uns Tag zwei des Festivals. Die Spezialität der Partido-Region ist die Deckblatt-Produktion. Je nach Jahr und Quelle stammen 30-60 Prozent aller Deckblätter von hier. Die Plantagen sind riesig. Wir besuchten Aurelio Reyes, der 111 Hektaren Land bewirtschaftet.

Die Plantagen sind mit Stoff überdeckt, um die Tabake vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. So entstehen grosse aber doch feine Blätter. Haben die Pflanzen die richtige Grösse erreicht – hohe Temperaturen führen zu einem schnelleren Wachstum – beginnt die aufwändige Ernte. Alle vier bis fünf Tage ernten die Arbeiter zwei Blätter pro Pflanze.

Die Blätter an den Pflanzen wirken riesig, mit Spannen von weit über 50 Zentimetern. Am Schluss als Deckblatt lässt sich aber nur ein relativ schmaler Streifen verwenden. Durch das Trocknen verlieren die Tabake später weiter an Grösse.

Die Trocknungsphase, die 19-21 Tage dauert, erfolgt in gut isolierten Häusern und unter kontrollierten Bedingungen. Bei Bedarf wird beheizt oder Feuchtigkeit zugeführt. Die Feuchtigkeit, die etwa 85 Prozent betragen sollte, spielt eine zentrale Rolle. Ohne Feuchtigkeit würden die Blätter zwar trocknen, können aber nicht die Farbe ändern sowie später den erwünschten Tabak-Geschmack entwickeln. Wird es hingegen zu feucht, droht Fäulnis. Ausserdem muss die Feuchtigkeit mit der Temperatur ein Gleichgewicht bilden. Die Kubaner beschreiben diesen Prozess deshalb nicht als trocknen («secar»), sondern als «curar».

Anders als in Pinar del Rio werden die Felder in Partido nicht pausenlos für den Tabakanbau genutzt, wie uns erklärt wurde. Nach drei Jahren Tabakkultivierung nützen die Farmer die Felder vier Jahre lang für den Anbau von anderen Pflanzen, etwa Bananen.

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