Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Die heilige Erde

«Nuestra riqueza esta en la tierra», steht auf einem Plakat am Rand der Autobahn Richtung Pinar del Rio. Die Stadt im Westen Havannas ist das Eingangstor zur wichtigsten Tabakanbauregion Kubas. Die Reise von Havanna in den Westen dauert mit dem Auto etwa drei Stunden. Unterwegs verändert sich die Landschaft. Mehr Natur, weniger Zivilisation, die Häuser werden einfacher (eindrücklich ist jedoch, wie perfekt jede Veranda aufgeräumt und sauber ist), die Autos klappriger. Es hat Ochsen und Pferdegespanne.

Übersetzt bedeutet die Parole an der Autobahn: «Unser Reichtum liegt in der Erde». In Pinar del Rio dreht sich alles um den Tabak und den Boden, auf dem er gedeiht. Den Besucher, auch wenn er nicht zu ersten mal hier ist, überkommt eine gewisse Andacht beim Anblick der prächtigen Felder.

«Die Einzigartigkeit unserer Anbauregion beruht auf zwei Faktoren», erklärt uns Tabakbauer Iván Máximo Perez, den unsere Festival-Gruppe heute besuchen darf. «Unsere Böden sind sauer mit pH-Werten zwischen 5.5 und 6.5. Und zweitens: die Temperatur hat im Tagesverlauf einen Ausschlag von etwa 10 Grad.» Die Kombination dieser beiden Eigenheiten führe für die Pflanzen zu einem «positiven Stress» und lasse sie ihre einzigartigen organoleptischen Eigenschaften ausprägen. «Es gibt bessere Böden für den Tabak, aber der Schlüssel ist die Temperatur-Amplitude».

Der Betrieb von Iván Máximo Perez gehört mit fünf Hektaren zu den grossen des Landes und ist als «Vega de Primera» klassifiziert, womit seine Tabake auch in die Cohiba-Produktion gelangen können. Iván Máximo ist stolz, selbstbewusst und – sympathisch für Kuba – er beantwortet alle Fragen.

Die diesjährige Ernte werde voraussichtlich nicht schlecht, aber auch nicht so gut wie letztes Jahr ausfallen, sagt er uns. Der Klimawandel sei für die Landwirtschaft generell ein Problem. Mehr Wärme führe auf seinen Betrieb bezogen zu mehr Schädlingen und höherem Krankheitsrisiko. Medio-Tiempo-Tabake für die Cohiba-Behike-Serie sei weiterhin knapp, die Einführung spezieller Pflanzungen werde jedoch untersucht. Gleiche Antwort wie vor einem Jahr.

Iván Máximo offeriert uns eine hauseigene Zigarre, die er persönlich gerollt hat. Jemand möchte von ihm wissen, wie man sie richtig anzündet: Mit Zedernholz, einem Jetflame-Feuerzeug? Con una candela, mit einer Flamme, weist uns der Meister an.

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