Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Montecristo-Gala

Die Gala-Nacht markierte den Abschluss einer Woche voller Eindrücke und Zigarrenrauch. Habanos nutzte den festlichen Rahmen für die Vorstellung der neuen Serie Montecristo 1935. Sie umfasst drei Formate, hat als Novum für Montecristo einen kräftigen Blend und übernimmt das Kistendesign der Montecristo 80 Aniversario. Zuerst aber genossen wir eine grosse Show und ein Dinner, Gang für Gang begleitet von Montecristo-Zigarren. Habanos verlieh seine jährlichen Premio-Habano-Preise, Edward Sahakian aus Grossbritannien erhielt die Händler-Auszeichnung.

Danach ging es wieder um grosse Zahlen, die Versteigerung von exklusiven Humidoren brauchte eine stolze Summe für das kubanische Gesundheitsministerium ein: Ein fabelhafter Hunidor für H. Upmann in Form eines Tresors erzielte 200’000 Euro, der Cohiba-Humidor sogar rekordverdächtige 380’000 Euro.

Die Montecristo 1935-Zigarren wollten wir pflichtbewusst aufsparen für einen ruhigen Moment, um ein klares Urteil zu fällen. Spätnachts auf der Terasse des Hotel Nacional zündeten wir sie dann doch noch an, bei Wind und Wetter und bester Stimmung. Mein Exemplar brannte miserabel aber schmeckte hervorragend. Kräftig und Montecristo, damit dürfte Habanos wieder mal einen Nerv treffen. Ein genaueres Verdikt folgt, vielleicht noch aus Havanna, wir bleiben noch ein paar Tage hier und geniessen die Sonne.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Tabakausgabe in der La-Corona-Fabrik

In der Festivalwoche öffnen ausgewählte Manufakturen ihre Türen für die Besucher. Dieses Jahr besuchten wir die La-Corona-Fabrik, weil sie an der Produktion der neuen Linien Montecristo 1935 und Quai d’Orsay beteiligt ist.

In der Fabrik herrschte Hochbetrieb. Wir wurden von einer Torcedora durch den Betrieb geführt und konnten mit ihr einige Fragen besprechen. Sie war von Herzen erstaunt, dass unsere Konsumenten immer noch regelmässig mit Zugproblemen konfrontiert werden. Die Qualitätskontrollen mit Zugmaschinen seien engmaschig und die Bezahlung der Torcedores erfolge im Akkord, sei aber an die Erfüllung der Qualitätskriterien gebunden. Die Portmann-Kollegen erzählten mir dazu folgende Geschichte: Sie hätten in der La-Corona-Fabrik über eine schlechte Hoyo-San-Juan-Charge in 10er Kisten geklagt. Daraufhin seien sie nach den Box-Codes gefragt worden. Diese wurden aus der Schweiz übermittelt und es wurde festgestellt, dass alle betroffenen Kisten aus Manufakturen im Süden der Insel stammten. Es ist gut vorstellbar, dass die Manufakturen in Havanna das Qualitätsmanagement besser im Griff haben.

Interessant war der Augenschein bei der Tabakausgabe für die Torcedores. Hier holen die Roller die Tabake ab, die für eine Produktion von 50 Zigarren reichen müssen. Auf einer Liste waren die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Vitolas ersichtlich. Unsere Begleiterin vertrat die Ansicht, dass immer dasselbe Volado, Seco und Ligero eingesetzt werde und nur das Mischverhältnis der Blattstufen die Vitolas unterscheide. Es ist aber davon auszugehen, dass die Blending-Abteilung, welche die Pakete einige Stockwerke tiefer vorbereitet, zugriff auf Tabaken verschiedener Zonen und Qualitäten hat. Offensichtlich wird dies etwa bei den auf der Liste vermerkten Limitada-Zigarren.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Besuch in der Cigarillo-Fabrik

Gestern besuchten wir die Cigarillo-Fabrik Internacional Cubana de Tabacos S.A., in der alle kubanischen Cigarillos und Machine-Made-Zigarren hergestellt werden.

Die Fabrik produziert im Prinzip genau so wie die Villiger-Stumpenfabrik in der Schweiz. Zuerst wird der Tabak verkleinert und gemäss einem Rezept geblendet. Die Tabake haben genau die selbe Herkunft wie die Tabake der Premium-Produktion. Nur werden für die Cigarillos kleinere oder beschädigte Blätter verwendet. Die Deckblätter sind auf sogenannten Bobinen aufgebracht und werden danach maschinell auf die Tabake gerollt. Bei Villiger erfolgt dieser Arbeitsschritt in Indonesien, Kuba hat diesen Arbeitsschritt in die Philippinen ausgelagert. Am Schluss verpacken Mitarbeiterinnen mit flinken Händen die Cigarillos in ihre Packungen. Wie alle Premium-Zigarren werden auch die Cigarillos vor dem Export eingefroren, um allfällige Schädlinge im Tabak abzutöten. Hierzu lagern die fertigen Packungen während fünf Tagen bei -20 Grad in einem Kühlraum.

Die Fabrik ist voll ausgelastet und produziert über 100 Millionen Cigarillos pro Jahr. Man arbeitet an einem Ausbau der Kapazitäten, gerade als wir die Fabrik besuchten, wurden neue Maschinen angeliefert.

Internacional Cubana de Tabacos S.A. wurde 1998 eröffnet – früher wurden die Cigarillos in Europa produziert – und beschäftigt heute 425 Mitarbeiter. Internacional Cubana de Tabacos S.A. ist wie Habanos S.A. ein Joint-Venture zwischen Kuba und einem ausländischen Partner. Die Mitarbeiter werden nach kubanischen Standards entlöhnt, man ist aber stolz auf die sozialen Zusatzleistungen, die man anbieten kann. Es ist rund um die Uhr ein Doktor vor Ort, der sich um alle medizinischen Belange kümmert. Zudem ist in der Fabrik ein Zahnarzt-Dienst mit zwei Zahnärzten eingerichtet, zu dem die Mitarbeiter und deren Familien ebenfalls freien Zugang haben. Zudem erhalten die Mitarbeiter, die im Dreischicht-Betrieb arbeiten, täglich zwei Mahlzeiten.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Eine Top-Ernte, Medio-Tiempo und neue Erkentnisse zum Blending

Tag zwei am Festival führte uns in die Vuelta Abajo zu den Tabakbauern. Auf den Eröffnungsabend hatten wir verzichtet. Zum Glück, wie sich im Nachhinein zeigte – er fiel wortwörtlich ins Wasser. Unsere Gruppe besuchte dieses Jahr Tabakbauer Iván Máximo Pérez Maceda, der in der Provinz San Juan y Martínez einen Musterbetrieb von über drei Hektaren führt. Wir wurden herzlich empfangen und durften zum Auftakt Zigarren geniessen, die aus den Tabaken des Betriebs gerollt worden waren.

Iván ist weniger bekannt als beispielsweise die Vega Robaina oder Hector Luis. Sein Betrieb ist aber gut geführt, wir haben den Bauern entspannt, stolz und auf eine gute Art selbstbewusst erlebt. Er beantwortete uns offen alle Fragen, die wir im stellten.

Zum Beispiel erklärte er uns, was es genau mit dem exklusiven Behike-Tabak Medio Tiempo auf sich hat. Bekanntlich handelt es sich um die beiden obersten Blätter der Tabakpflanze, die als Medio Tiempo klassifiziert werden können. Warum also ist Miedo Tiempo rar, wenn jede Pflanze davon zwei Blätter ausbildet? Um Medio-Tiempo-Qualität zu erreichen, müssen die beiden obersten Blätter besonders kräftig und saftig sein. Dies passiert entweder zufällig oder, indem die Bauern die unteren Blätter der Pflanze ausdünnen, um mehr Kraft in die Spitze der Pflanze zu leiten. Weil dies auf Kosten des Ertrags geht, produzieren die Bauern nicht gezielt Medio Tiempo. Es gebe jetzt aber Bestrebungen, spezielle Medio-Tiempo-Pflanzungen anzulegen, erklärte uns Iván Máximo.

Man musste kein Spezialist sein, um zu sehen, dass die diesjährige Ernte ausezeichnet ausgefallen ist. Die Blätter sind saftig und gross, auf dem Betrieb von Iván herrschte emsige Betriebsamkeit. Bis die Tabake dieses Jahres in die Produktion kommen, braucht es aber noch mindestens ein Jahr.

Wir fragten Iván mit Blick auf die Lieferengpässe, ob und wie sich die Tabak-Produktion noch steigern liesse. In seiner Provinz schätzt er, dass etwa 5-7 Prozent der möglichen Anbauflächen noch brachliegen – also nicht besonders viel. Zudem gab er zu bedenken, dass die Böden heute übernutzt seien und man ihnen zu wenig Ruhe gönne.

Iván bestätigte, was mir schon andere Experten erklärten: Zwar werden verschiedene Pflanzenvarietäten eingesetzt, diese werden aber so gezüchtet, dass sie möglichst denselben Geschmack entwickeln. Kuba will einen „Habanos-Geschmack“, keine auf dem Saatgut basierende geschmackliche Diversifikation, wie sie in anderen Anbaugebieten gesucht wird. Markentypische Aromen werden einerseits durch das Verhältnis der Blattstufen (Seco, Volado und Ligero) und andererseits durch die Wahl der Region erzielt. Die Tabakbauern wissen übrigens selber nicht, für welche Marken ihre Blätter verarbeitet werden. Gemäss dem ebenfalls anwesende Regionalleiter von Tabacuba gehört die Finca von Iwan zur Zone von El Laguito und gehört damit zu den exklusiven Tabak-Lieferanten von Cohiba.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Das XIX. Festival del Habano hat begonnen

Heute hat das XIX. Festival del Habano begonnen. Kuba begrüsste uns freundlich mit 30 Grad Celcius, gleichwohl haben wir uns umgehend den ersten Festival-Aktivitäten zugewendet.

Traditionell blickt Habanos SA zum Auftakt in einer Pressekonferenz auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Von den Lieferengpässen, die uns in der Schweiz umtreiben, weiss man in Kuba nichts. Habanos SA freute sich über einen Umsatz von 445 US-Dollar, was einem Wachstum von 5 Prozent entspricht. Der positive Geschäftsgang sei auf zwei Ereignisse zurückzuführen: Zum einen auf die Aktivitäten rund um das 50-Jahr-Jubiläum von Cohiba und zum anderen auf eine Erholung der traditionellen Habanos-Kernmärkte Spanien und Frankreich. Diese beiden Länder stehen weiterhin auf den Plätzen eins und zwei des internationalen Absatzrankings, gefolgt von China, Deutschland, Kuba und der Schweiz.

Kurz nahm Habanos auch zu den kürzlich bekannt gewordenen Auslistungen Stellung. Die Verantwortlichen betonten, dass man nach strickt professionellen Kriterien entscheide und nur Formate aus dem Sortiment nehme, die nicht mehr rentabel seien. Eine Auslistungs-Runde findet alle zwei Jahre statt.

Die Montecristo-1935-Serie mit drei Formaten ist die wichtigste Neueinführung 2017. Sie wird von Habanos als Premium-Linie positioniert und soll einen kräftigen Blend erhalten, im Gegensatz zur milden Montecristo-Open-Serie und den klassischen Montecristo-Formaten mit mittelkräftigem Charater. Die Verpackung ist nach dem Vorbild der Montecristo-80-Aniversario-Kiste gestaltet. Ein Facelift mit neuen Bauchbinden spendiert Habanos der Marke Quay d’Orsay. Das Format Corona Claro bleibt im Sortiment und wird durch die beiden Formate Quay d’Orsay 50 und 54 ergänzt. Romeo y Julieta erhält mit den Petit Royales ein grossvolumiges Kleinformat (47 x 95 mm).

Nach der Pressekonferenz im Palacio de los Conveciones traf ich unseren Freund Torger Brunken von Adorini, der auf der Festival-Messe seine Humidore präsentiert. Mit ihm entdeckte ich in der im Komplex eingemieteten Casa del Habano letzte Kisten der Saint Luis Rey Marquéz Edición Cuba, einer echten Rarität, wie sich im Tagesverlauf anhand der Reaktionen vieler Kollegen herausgestellte. Ein erstes Exemplar dieser hervorragenden Zigarre genossen wir bei Adorini auf dem Messestand und sorgten damit für einiges Aufsehen. So gestärkt machte ich mich auf zum nächsten Termin.

Für die Schweizer Festival-Besucher organisierte Habanos-Importeur Intertabak eine Degustation der neuen Edición-Suiza-Zigarre. Die Nachfolgerin der von mir hochgeschätzten Juan Lopez Eminentes Edición Suiza 2016 wird Sancho Panza Valientes heissen. Das Format entspricht jenem der Romeo y Julieta Wide Churchill. Die neue Schweizer Havanna wirkte, unmittelbar nach der Saint Luis Rey Edición Cuba genossen, recht mild. Zum Aroma notierte ich mir nussige Noten und Milchkaffee. Es ist ein erster Eindruck, der kein abschliessendes Urteil zulässt, uns aber frohgemut stimmen darf.

Als Pairing-Partner wurde uns Havana Club Tributo Edición Limitada 2017 serviert. Ein spannendes Getränk, das rundum wenig Zustimmung fand, aber seine Qualitäten hat und sicherlich sein Publikum finden wird. Havana Club will mit dieser Limited-Edition das Aroma des sogenannten Aguardiente in den Mittelpunkt stellen. So nennt Havana Club das frische und noch nicht in Fässern gelagerte Destillat. Um seinen ursprünglichen Charakter zu bewahren, wurde es in sehr alten Fässern ausgebaut.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

XIX. Festival del Habano: Programm und Anmeldung für Schweizer Teilnehmer

Heute beginnt die Registrierungsphase für das XIX. Festival del Habano, das vom 27. Februar bis 3. März 2017 in Havanna stattfinden wird.

Der Ausschreibung ist zu entnehmen, dass nächstes Jahr eine H. Upmann Sir Winston Gran Reserva lanciert wird. Ein weiterer Höhepunkt wird ausserdem die Vorstellung der neuen «Montecristo 1935» -Linie im Rahmen der Gala-Nacht sein.

Schweizer Teilnehmer können die verschiedenen Programmpunkte über den Schweizer Habanos-Importeur Intertabak AG buchen. Anmeldungsschluss ist der 7. Dezember. Intertabak übernimmt dieses Jahr nur noch die Registrierung, die Transfers von den Hotels zu den Events erfolgen individuell.

Eine grössere Änderung gibt es für Teilnehmer aus Deutschland. Wer das Festival privat besuchen will, muss sich neu direkt auf der Website von Habanos registrieren (die Registrierung sollte heute starten, ist aber noch nicht freigeschaltet). Habanos-Importeur 5th Avenue übernimmt die Organisation nur noch für Fachhändler.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Grosse Gala für Cohiba

Auf die Noche de Gala haben wir uns dieses Jahr besonders gefreut. Gefeiert wurde der 50. Geburtstag von Cohiba. Für die Gala rührte Habanos noch einmal mit der grossen Kelle an. Ein Menu mit fünf Cohiba-Zigaren als Begleitung, darunter der neuen Cohiba Medio Siglo im Petit-Robusto-Format (52 x 10.2 mm) und einer Cohiba Behike zum Dessert. Die Show gefiel, gross spielte Chucho Valdes auf dem Piano auf. Die Präsentbox, die wir gespannt inspizierten, enthielt ein gerahmtes Bild mit allen Cohiba-Anillas, vom ersten Desgin bis zur neusten Hologramm-Bauchbinde. Und als Höhepunkt erhielten die Gala-Gäste zwei Cohiba Majestuosos 1966 (58 x 150 mm). Diese Jubiläumszigarre wird in einem Sonderhumidor auf den Markt kommen, der auf 1966 Stück limitiert sein wird. Wer es noch exklusiver mag, kann den Erwerb eines Sonderhumidors «Cohiba 50 Aniversario» ins Auge fassen. Die Nummer 1 dieses auf 50 Stück limitierten Humidors, der von Elie Bleu gefertigt wurde, mit Blattgold veredelt ist und 50 nummerierte Cohiba 50 Aniversario (60 x 178 mm) enthält, wurde am Galaabend für 320’000 Euro versteigert. Wenn wir Glück haben, bekommt der Schweizer Markt von den verbleibenden Humidoren ein Stück, meinten die Kollegen von Intertabak. Ein schöner Schlusspunkt einer schönen Woche. Jetzt geniessen wir noch etwas die Sonne und die eine oder andere Havanna, bevor wir zurück in die Schweiz reisen.

DSCF9286

DSCF9246

DSCF9332

DSCF9348

DSCF9424

DSCF9443

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

El Laguito hat sich herausgeputzt

ellaguito

Die Manufaktur El Laguito war ursprünglich ein Herrschaftshaus. Im Zuge der Revolution wurde es «nationalisiert» und das neue Regime liess darin eine Zigarrenroller-Schule für Frauen einrichten. Aus der Schule wurde eine Manufaktur, welche Havannas von bester Qualität für Fidel Castro persönlich oder Diplomaten rollte. Jene Zigarren, die später den Namen «Cohiba» erhielten. Der Geist der sozialistischen Revolution ist in El Laguito immer noch präsent. Dafür sorgt der Vorleser, der mit Engagement über die Geschichte des Hauses referiert. Dafür sorgt auch das eindrückliche Gebäude, das für das 50-jährige Jubiläum von Cohiba schön herausgeputzt wurde und von den Festival-Besuchern heute besichtigt werden konnte.

Während des Besuchs lief die Produktion der Cohiba-Formate Robusto, Esplendido und Lancero. Zum Behike-Engpass gibt es hier in Kuba verschiedene Theorien. Je nach Quelle fehlen entweder die Deckblätter oder das würzige Medio-Tiempo-Blatt. Sicher ist, dass die Cohiba-Behike-Serie im Moment kaum produziert wird.

planoperativo

Der «Plan operative de Octubre 2015», der auf einer Informationstafel in der Manufaktur hängt, gibt einige interessante Einblicke in die Monatsproduktion. Die Zahlen sind allerdings interpretationsbedürftig. Die geplante Monatsproduktion der Behike-Formate könnte bei etwa 1000-1200 Stück pro Format liegen, wenn die Planzahlen in Stück angegeben sind. Interessant ist, dass El Laguito im Oktober auch bei der Produktion von «Massenware» wie der Montecristo No. 4 und No. 5 mithelfen musste.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Zu Besuch bei Havana Club

lager

Am Mittwoch durften wir die Havana-Club-Destillerie in San José besuchen. An diesem Standort, etwa 45km entfernt von Havana, lagern die Fässer der älteren Destillate. Neben dieser Destillerie existiert noch eine grössere zweite im Süden der Insel. Dort wird der junge weisse oder dreijährige Havana Club produziert.

Bei unserem Besuch bekamen wir eine Ahnung vom «dynamischen Blendingprozess» von Havana Club. Damit ist gemeint, dass die Rums bei Havana Club stufenweise geblendet werden. Es kann zum Beispiel sein, dass die Fässer A und B nach X Jahren zusammengeführt werden; diese Mischung wird weitere Y Jahre in einem neuen Fass gelagert und am Schluss vielleicht noch zusammen mit einer anderen «Basis» – so nennt Havana Club die bereits geblendeten Rumbestandteile – zu Ende gereift. Die Altersbezeichnungen bei beziehen sich dabei stets auf den ältesten Rum. Was man in den riesigen Lagerhallen von Havana Club nicht findet, sind Rums, die über Jahrzehnte unberührt im selben Fass lagern. Das hat auch mit dem grosse Schwund zu tun, der bei Destillerien in Kuba klimabedingt 4-7 Prozent pro Jahr ausmacht.

Wie das Havana-Club-Blending funktioniert, durften wir anschliessend in der Praxis bei einer Degustation des neuen Havana Club Unión probieren. Neben dem Endprodukt konnten wir zwei der Basen degustieren, die einmal in jungen Fässern und einmal in über 60-jährigen Fässern ausgebaut wurden.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Wieder eine schlechte Ernte

DSCF8953

Am Dienstag stand ein Besuch der Region Pinar del Rio im Westen der Insel auf dem Programm. Hier wächst der beste Tabak Kubas, hier werden die Tabake nach der Ernte getrocknet, sortiert, fermentiert und für die Zigarrenproduktion vorbereitet.

Unsere Gruppe durfte den Tabakbauern Alejadro Perez Cabrera in der Region San Luis besuchen. Der 72- Jährige ist Herr über 1.8 Hektaren Land und einen Familienbetrieb, der in einem normalen Jahr etwas über 3 Tonnen Tabak abwirft. Bei unserem Besuch war etwa die Hälfte der Ernte eingebraucht. Die Ernte sei normal verlaufen, erzählte der Bauer. Es habe bei der Aussaat viel geregnet, was nicht gut sei. Lieber haben die Bauern, wenn es eher trocken ist. So können sie bei Bedarf selber bewässern. Alejandro Perez Cabrera erwartet trotzdem eine normale, durchschnittliche Ernte.

Wie man in Havanna hört, teilen diesen vielleicht offiziellen Optimismus nicht alle. Man spricht von einer ziemlich schlechten Ernte. Auf zwei schlechte Jahre folgte letztes Jahr ein gutes und nun wohl wieder ein schlechtes. Eine Verbesserung der Liefersituation dürfen wir deshalb nur vorübergehend erwarten.

In einer Escogida, wo die Tabake nach dem Trocknen sortiert werden, wurde uns eine neue Fermentationskammer gezeigt. Im isolierten Raum herrschen Temperaturen von 33.9 Grad und 85 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Zu den Effekten des neuen Verfahrens haben wir keine schlüssigen Auskünfte erhalten. Der Zeitgewinn, der damit erzielt wird, dürfte nicht ausschlaggebend sein, denn eine natürliche Fermentation ohne maschinelle Unterstützung wäre in Kuba sicher wirtschaftlicher.