Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Stolz und Herrlichkeit

Der erste Festivaltag hielt für die Schweizer Gruppe eine weitere Überraschung bereit. Der Schweizer Habanos-Importeur Intertabak lud zu einem Tasting der neuen La Gloria Cubana Orgullosos Edición Suiza 2018 ein. Der Name «Orgulloso» (deutsch: stolz) nimmt auf den Markenname Bezug: Die Glorie / Herrlichkeit Kubas. Das Format mit dem rund zulaufenden Kopfende erinnert an die Punch Clasico Edición Suiza 2012 und ist in seinen Abmessungen in der Tat identisch mit der früheren Schweizer Regionales-Zigarre (50 x 18.4). Ein schönes Format und eine schöne Marke, die zuletzt von Habanos äusserst stiefmütterlich behandelt wurde. Die bei vielen Aficionados wegen ihres milden Charakters beliebte La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 2 ist definitiv vom Markt verschwunden, im Standardportfolio von La Gloria Cubana übrig geblieben ist nur die recht kleine und sehr schlanke Medaille D’Or No. 4.

Die nur für die Schweiz produzierte Zigarre wird in einer Auflage von 6000 Kisten à 10 Zigarren im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Zeitpunkt und Preise sind noch unbekannt. Zu erfahren war, dass Habanos dem Schweizer Importeur jeweils stolze Einstandspreise verrechnet und es keinen Verhandlungsspielraum oder gar ein Mitspracherecht gibt. Im Falle der Sancho Panza Valientes Edición Suiza 2017, die aktuell auf dem Markt ist, verzichtete Intertabak gar auf einen Teil der sonst üblichen Marge, um einen noch einigermassen vernünftigen Endkonsumentenpreis zu ermöglichen.

Unsere Testzigarren waren vermutlich frisch bis sehr frisch. In der ersten Hälfte entwickelten sie einen nussigen Grundgeschmack mit Eindrücken von Kaffee, Röstnoten und Süsse. In der zweiten Hälfte setzte Würze ein, die sich im weiteren Verlauf zu einer unangenehmen Schärfe wandelte. Alles ganz normal für eine junge Zigarre, etwas Lagerzeit wird aus der La Gloria Cubana Orgullosos eine sehr gute milde Havanna machen.

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Neuheiten Lineup 2018

Die Pressekonferenz am Montag Morgen eröffnete das XX. Festival del Habano und gab einen Überblick über das Programm und die uns erwartenden Zigarren-Neuheiten.

Die Cohiba Robusto Reserva Cosecha (deutsch: Ernte) 2014 wird heute Abend präsentiert. Die Tabake dieser Zigarre sind mindestens drei Jahre gereift. Sie wird in einer Auflage von 5000 nummerierten Kisten à 20 Kisten produziert und dürfte ein «save bet» sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich ihrer Wertentwicklung sein. Freuen dürfen wir uns auch auf eine Erweiterung der Partagás-Maduro-Serie: Die Partagás Maduro No. 2 ist ein Torpedo-Format mit dickem 55er Ringmass (12 cm Länge). Die Maduro No. 3 hat die Abmessungen 50 x 14.5 cm) und ist somit etwas länger und schlanker als die schon erhältliche Maduro No. 1 (52 x 13 cm).

Gute Nachrichten gibt es für die vielen Freunde der Hoyo de Monterrey Le Hoyo de San Juan. Der ersten Terroir-Zigarre Kubas – alle Tabake stammen aus der Vuelta-Abajo-Subregio San Juan y Martinez – wird eine grössere Schwester mit demselben Blend zur Seite gestellt: Die Hoyo de Monterrey Le Hoyo Rio Seco (56 x 14 cm). Erweitert wird auch die Vegueros-Linie. Herstellungsort der Vegueros Centrofinos (50 x 13) ist wie für die anderen Formate der Marke die Fábrica de Tabacco Torcido «Francisco Donatien» in Pinar del Rio. Die Marke zeichnet sich durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Der Name «Veguero» bedeutet «Bauer» und ehrt die Tabakpflanzer in der Region Pinar del Rio.

Romeo y Julieta lanciert einen auf 450 Stück limitierten Humidor Romeo y Julieta Grand Churchills (siehe Bild). Gefertigt wird der Humidor vom französischen Edelschreiner Elie Bleu. Die Romeo y Julieta Grand Churchills (56 x 19 cm) sind in einer Goldfolie verpackt. Jeder Humidor enthält 100 Zigarren. Die drei Ediciones Limitadas des kommenden Jahres heissen Romeo y Julieta Tacos (49 x 16.8 cm, präsentiert im 25er Kisten), Bolivar Soberano (54 x 14 cm, 10er Kisten) und H. Upmann Propios (46 x 12 cm, 25er Kisten).

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Spenden mit Genuss

Zum Auftakt des Festivals organisierten Adorini und das Cigar Journal gemeinsam einen Charity-Empfang für das schweizerisch-kubanische Kinderhilfswerk Camaquito. Eine prima Gelegenheit, um die deutschsprachigen Teilnehmer des Festivals kennen zu lernen. Ich habe gesichtet: Urs und Thomas Portmann mit Zigarren.Zone-Blogger Vasilij, die Jungs von Adorini (ich schreibe diesen Text am Messestand von Adorini und bedanke mich an dieser Stelle für die zur Verfügung gestellte Elektrizität), Vertreter von Intertabak und Christoph Puszkar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue. Letzterer erzählte mir, dass sich die deutsche Gruppe im Vergleich zu früheren Jahren dramatisch verkleinert habe. Nur zwei Händler aus Deutschland seien angereist. Die hohen Preise hätten den deutschen Kollegen die Lust auf das kubanische Zigarrenfest verdorben.

Stattdessen beehrten die Botschafter der Schweiz, Deutschlands und Österreichs (zu sehen auf dem Bild neben Vertretern des Cigar Journals, Adorini und Camaquito-Gründer Mark Kuster) den Camaquito-Empfang. Der Anlass brachte einen Erlös in der Höhe von rund CHF 5000 zu Gunsten des Kinderhilfswerks ein.

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Zurück in Havanna

Wieder beginnt in Kuba das Festival del Habana, eine einwöchige Festwoche zu Ehren der kubanischen Zigarre. Das Festival wird in diesem Jahr zum 20. Mal ausgetragen. Der Modus ist jedes Jahr derselbe: Abendveranstaltungen mit der Präsentation neuer Zigarren. (Diese kommen dann ein bis drei Jahre später auf den Markt. Grundregel: Je aufwändiger die Verpackung, desto länger die Verzögerung.) Seminare, die abgeschirmt von der karibischen Sonne in einem Sowjet-Bunker stattfinden und von erfahrenen Festival-Gängern nur punktuell besucht werden. Ausflüge nach Pinar del Rio, zum Ursprung des Tabaks, und in Havannas Zigarren-Fabriken. Die angekündigten Höhepunkte des diesjährigen Festivals sind die Lancierung einer Cohiba Reserva und die Erweiterung der Partagas-Maduro-Serie um zwei neue Formate.

In der Festivalwoche treffen wir Händler Kollegen, Freunde und manche unserer besten Kunden. Den ganzen Tag rauchen wir junge, kräftige, wunderbare Zigarren, geniessen Rum, Daiquiris und erfrischendes Bier. (Der neue Platzhirsch auf dem kubanischen Biermarkt ist, mich verstört es etwas, Heinecken. Die schmackhaften einheimischen Biere Cristal und Buccanero sind knapp, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Heinecken steht zur Zeit in jeder Bar und in jedem Laden. Aus Havanna verschwunden ist dafür Presidente, das Bier aus der dominikanischen Repulik. Buccanero und Cristal werden in einem Joint-Venture mit dem Bierkonzern Ambev produziert, zu der wahrscheinlich (Internetrecherche etwas umständlich) auch Heinecken gehört). Das Festival del Habano ist ein Branchentreffen, das von A-Z Spass macht.

Vor das Festival habe ich eine Ferienwoche gehängt, in der ich mich dem Schachspiel widmete. Kuba hat eine grosse Schachtradition und mit Raul Capablanca einen ehemaligen Schachweltmeister. Von der Schweiz aus nahm ich Kontakt mit dem Insituto Latinoamericano de Ajedrez auf, das die Schachaktivitäten in Havanna koordiniert. Das Institut vermittelte mir einen jungen kubanischen Schachgrossmeister, der mich eine Woche lang unterrichtete. Meine Stunden erhielt ich an bester Lage vis-a-vis des fast fertig renovierten Capitolios, in einem Sportzentrum, in dem auch Fussball und Boxen trainiert wird. Das Bild oben zeigt Teilnehmer eines Schülerturniers, das wir besuchen durften. Die siebenjährigen Kinder, die eine Stunde lang konzentriert Schach gespielt haben, beeindruckten mich sehr.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Rückblick auf das XIX. Habanos-Festival

Der Film zeigt Bilder der Festival-Woche. Auch meine Frau hat einen kurzen Auftritt, im letzten Teil zur Gala-Nacht.

Die Agentur Reuters schreibt in «Cuba struggles to satisfy cigar demand after bad crops» über die Lieferschwierigkeiten der kubanischen Zigarrenindustrie. Christoph Puskar vom deutschen Habanos-Importeur 5th Avenue prognostiziert im Beitrag, dass die Verfügbarkeit ab dem dritten Quartal «slighty better» werde. Ich werde zu den Auswirkungen auf unser Geschäft zitiert:

Manuel Froehlich, who owns a shop in Zurich selling Caribbean rum, coffee and cigars, said he was struggling to source a variety of Cuban products.

«We usually sell Cuban coffee in our shop but for two years we haven’t been able to source it,» he said. «They don’t have enough even for the domestic market because there are so many tourists.»

«Cigars, which make up half our revenue, are also hard. We started to have supply issues last year and it just got worse.»

Manuel Fröhlich Cigarren

Montecristo 1935: erste Eindrücke

Die Montecristo-1935-Serie war die Hauptattraktion des diesjährigen Habanos-Festivals. Die neue Montecristo-Linie umfasst die drei Formate Maltés (53 X 153 mm), Dumas (49 x 130 mm) und Leyenda (55 x 165 mm), ist kräftig geblendet und soll qualitativ und in der Folge auch preislich als Premium-Linie positioniert werden. Inzwischen habe ich das mittlere und kleine Format in Ruhe geraucht und kann erste Eindrücke übermitteln.

Die Montecristo 1935 Maltés entwickelt zum Auftakt Bittermandel-Noten, wie man sie bei kubanischen Zigarren dieser Tage regelmässig antrifft. Bald werden sie aber von Eindrücken von Kaffee, Kakao und Röstnoten abgelöst. Im Rauchverlauf ergänzen holzige Noten und eine schöne Montecristo-Erdigkeit das Bild. Für die holzigen Noten ist vermutlich der hohe Ligero-Anteil im Blend verantwortlich. Schneller entwickelt sich geschmacklich die kleine Dumas; den Bittermandel-Auftakt überspringt sie und zeigt sofort «dunkle» Kakao und Holznoten. Im Rauchverlauf habe ich mir zudem notiert: Kaffee, Brot, Röstnoten, holzig, erdig.

Der Rauch beider Formate ist weder cremig noch ölig sondern wirkt eher trocken. Auch fehlt es den Zigarren etwas an Körper und Volumen. Dafür überzeugen sie mit einem charakteristischen Geschmack mit schönen Kaffee-Kakao-Röstnoten, die sich von allem, was man bisher aus Kuba kennt, deutlich unterscheiden.

Die Verpackung in braun-lackierten Kisten übernimmt die Montecristo-1935-Serie von der limitierten Montecristo 80 Aniversario, die vor zwei Jahren präsentiert wurde und erst kürzlich auf den Markt kam. Das grosse Leyenda-Format entspricht sogar dem Format der Montecristo 80 Aniversario. Geschmacklich handelt es sich aber um zwei verschiedene Produkte. Wir haben hier in Havanna noch einige Montecristo 80 gefunden und konnten so die beiden Zigarren direkt vergleichen. Die Montecristo 80 Aniversario wirkt runder, voller und weicher, die Montecristo 1935 hat demgegenüber einen ausgeprägten Ligero-Geschmack.

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Montecristo-Gala

Die Gala-Nacht markierte den Abschluss einer Woche voller Eindrücke und Zigarrenrauch. Habanos nutzte den festlichen Rahmen für die Vorstellung der neuen Serie Montecristo 1935. Sie umfasst drei Formate, hat als Novum für Montecristo einen kräftigen Blend und übernimmt das Kistendesign der Montecristo 80 Aniversario. Zuerst aber genossen wir eine grosse Show und ein Dinner, Gang für Gang begleitet von Montecristo-Zigarren. Habanos verlieh seine jährlichen Premio-Habano-Preise, Edward Sahakian aus Grossbritannien erhielt die Händler-Auszeichnung.

Danach ging es wieder um grosse Zahlen, die Versteigerung von exklusiven Humidoren brauchte eine stolze Summe für das kubanische Gesundheitsministerium ein: Ein fabelhafter Hunidor für H. Upmann in Form eines Tresors erzielte 200’000 Euro, der Cohiba-Humidor sogar rekordverdächtige 380’000 Euro.

Die Montecristo 1935-Zigarren wollten wir pflichtbewusst aufsparen für einen ruhigen Moment, um ein klares Urteil zu fällen. Spätnachts auf der Terasse des Hotel Nacional zündeten wir sie dann doch noch an, bei Wind und Wetter und bester Stimmung. Mein Exemplar brannte miserabel aber schmeckte hervorragend. Kräftig und Montecristo, damit dürfte Habanos wieder mal einen Nerv treffen. Ein genaueres Verdikt folgt, vielleicht noch aus Havanna, wir bleiben noch ein paar Tage hier und geniessen die Sonne.

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Tabakausgabe in der La-Corona-Fabrik

In der Festivalwoche öffnen ausgewählte Manufakturen ihre Türen für die Besucher. Dieses Jahr besuchten wir die La-Corona-Fabrik, weil sie an der Produktion der neuen Linien Montecristo 1935 und Quai d’Orsay beteiligt ist.

In der Fabrik herrschte Hochbetrieb. Wir wurden von einer Torcedora durch den Betrieb geführt und konnten mit ihr einige Fragen besprechen. Sie war von Herzen erstaunt, dass unsere Konsumenten immer noch regelmässig mit Zugproblemen konfrontiert werden. Die Qualitätskontrollen mit Zugmaschinen seien engmaschig und die Bezahlung der Torcedores erfolge im Akkord, sei aber an die Erfüllung der Qualitätskriterien gebunden. Die Portmann-Kollegen erzählten mir dazu folgende Geschichte: Sie hätten in der La-Corona-Fabrik über eine schlechte Hoyo-San-Juan-Charge in 10er Kisten geklagt. Daraufhin seien sie nach den Box-Codes gefragt worden. Diese wurden aus der Schweiz übermittelt und es wurde festgestellt, dass alle betroffenen Kisten aus Manufakturen im Süden der Insel stammten. Es ist gut vorstellbar, dass die Manufakturen in Havanna das Qualitätsmanagement besser im Griff haben.

Interessant war der Augenschein bei der Tabakausgabe für die Torcedores. Hier holen die Roller die Tabake ab, die für eine Produktion von 50 Zigarren reichen müssen. Auf einer Liste waren die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Vitolas ersichtlich. Unsere Begleiterin vertrat die Ansicht, dass immer dasselbe Volado, Seco und Ligero eingesetzt werde und nur das Mischverhältnis der Blattstufen die Vitolas unterscheide. Es ist aber davon auszugehen, dass die Blending-Abteilung, welche die Pakete einige Stockwerke tiefer vorbereitet, zugriff auf Tabaken verschiedener Zonen und Qualitäten hat. Offensichtlich wird dies etwa bei den auf der Liste vermerkten Limitada-Zigarren.

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Besuch in der Cigarillo-Fabrik

Gestern besuchten wir die Cigarillo-Fabrik Internacional Cubana de Tabacos S.A., in der alle kubanischen Cigarillos und Machine-Made-Zigarren hergestellt werden.

Die Fabrik produziert im Prinzip genau so wie die Villiger-Stumpenfabrik in der Schweiz. Zuerst wird der Tabak verkleinert und gemäss einem Rezept geblendet. Die Tabake haben genau die selbe Herkunft wie die Tabake der Premium-Produktion. Nur werden für die Cigarillos kleinere oder beschädigte Blätter verwendet. Die Deckblätter sind auf sogenannten Bobinen aufgebracht und werden danach maschinell auf die Tabake gerollt. Bei Villiger erfolgt dieser Arbeitsschritt in Indonesien, Kuba hat diesen Arbeitsschritt in die Philippinen ausgelagert. Am Schluss verpacken Mitarbeiterinnen mit flinken Händen die Cigarillos in ihre Packungen. Wie alle Premium-Zigarren werden auch die Cigarillos vor dem Export eingefroren, um allfällige Schädlinge im Tabak abzutöten. Hierzu lagern die fertigen Packungen während fünf Tagen bei -20 Grad in einem Kühlraum.

Die Fabrik ist voll ausgelastet und produziert über 100 Millionen Cigarillos pro Jahr. Man arbeitet an einem Ausbau der Kapazitäten, gerade als wir die Fabrik besuchten, wurden neue Maschinen angeliefert.

Internacional Cubana de Tabacos S.A. wurde 1998 eröffnet – früher wurden die Cigarillos in Europa produziert – und beschäftigt heute 425 Mitarbeiter. Internacional Cubana de Tabacos S.A. ist wie Habanos S.A. ein Joint-Venture zwischen Kuba und einem ausländischen Partner. Die Mitarbeiter werden nach kubanischen Standards entlöhnt, man ist aber stolz auf die sozialen Zusatzleistungen, die man anbieten kann. Es ist rund um die Uhr ein Doktor vor Ort, der sich um alle medizinischen Belange kümmert. Zudem ist in der Fabrik ein Zahnarzt-Dienst mit zwei Zahnärzten eingerichtet, zu dem die Mitarbeiter und deren Familien ebenfalls freien Zugang haben. Zudem erhalten die Mitarbeiter, die im Dreischicht-Betrieb arbeiten, täglich zwei Mahlzeiten.

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Eine Top-Ernte, Medio-Tiempo und neue Erkentnisse zum Blending

Tag zwei am Festival führte uns in die Vuelta Abajo zu den Tabakbauern. Auf den Eröffnungsabend hatten wir verzichtet. Zum Glück, wie sich im Nachhinein zeigte – er fiel wortwörtlich ins Wasser. Unsere Gruppe besuchte dieses Jahr Tabakbauer Iván Máximo Pérez Maceda, der in der Provinz San Juan y Martínez einen Musterbetrieb von über drei Hektaren führt. Wir wurden herzlich empfangen und durften zum Auftakt Zigarren geniessen, die aus den Tabaken des Betriebs gerollt worden waren.

Iván ist weniger bekannt als beispielsweise die Vega Robaina oder Hector Luis. Sein Betrieb ist aber gut geführt, wir haben den Bauern entspannt, stolz und auf eine gute Art selbstbewusst erlebt. Er beantwortete uns offen alle Fragen, die wir im stellten.

Zum Beispiel erklärte er uns, was es genau mit dem exklusiven Behike-Tabak Medio Tiempo auf sich hat. Bekanntlich handelt es sich um die beiden obersten Blätter der Tabakpflanze, die als Medio Tiempo klassifiziert werden können. Warum also ist Miedo Tiempo rar, wenn jede Pflanze davon zwei Blätter ausbildet? Um Medio-Tiempo-Qualität zu erreichen, müssen die beiden obersten Blätter besonders kräftig und saftig sein. Dies passiert entweder zufällig oder, indem die Bauern die unteren Blätter der Pflanze ausdünnen, um mehr Kraft in die Spitze der Pflanze zu leiten. Weil dies auf Kosten des Ertrags geht, produzieren die Bauern nicht gezielt Medio Tiempo. Es gebe jetzt aber Bestrebungen, spezielle Medio-Tiempo-Pflanzungen anzulegen, erklärte uns Iván Máximo.

Man musste kein Spezialist sein, um zu sehen, dass die diesjährige Ernte ausezeichnet ausgefallen ist. Die Blätter sind saftig und gross, auf dem Betrieb von Iván herrschte emsige Betriebsamkeit. Bis die Tabake dieses Jahres in die Produktion kommen, braucht es aber noch mindestens ein Jahr.

Wir fragten Iván mit Blick auf die Lieferengpässe, ob und wie sich die Tabak-Produktion noch steigern liesse. In seiner Provinz schätzt er, dass etwa 5-7 Prozent der möglichen Anbauflächen noch brachliegen – also nicht besonders viel. Zudem gab er zu bedenken, dass die Böden heute übernutzt seien und man ihnen zu wenig Ruhe gönne.

Iván bestätigte, was mir schon andere Experten erklärten: Zwar werden verschiedene Pflanzenvarietäten eingesetzt, diese werden aber so gezüchtet, dass sie möglichst denselben Geschmack entwickeln. Kuba will einen „Habanos-Geschmack“, keine auf dem Saatgut basierende geschmackliche Diversifikation, wie sie in anderen Anbaugebieten gesucht wird. Markentypische Aromen werden einerseits durch das Verhältnis der Blattstufen (Seco, Volado und Ligero) und andererseits durch die Wahl der Region erzielt. Die Tabakbauern wissen übrigens selber nicht, für welche Marken ihre Blätter verarbeitet werden. Gemäss dem ebenfalls anwesende Regionalleiter von Tabacuba gehört die Finca von Iwan zur Zone von El Laguito und gehört damit zu den exklusiven Tabak-Lieferanten von Cohiba.