Manuel Fröhlich Cigarren

Siboney-Mythos

Im Zusammenhang mit der Verstaatlichung der kubanischen Zigarrenindustrie nach der Revolution taucht in der Fachliteratur immer wieder die Geschichte der Einheitszigarre «Siboney» auf. Dieter H. Wirtz schreibt im neuen Buch «Mythos Havanna»:

(..) Ein anderer Zigarrenmacher, der gleichfalls in ebendiesem Jahr den Namen seiner Zigarre als Warenzeichen registrieren liess, war dagegen erwiesenermassen sehr erfolgreich. Seine Marke gehörte bis weit ins 20. Jahrhundert zu den besten und bekanntesten Havannas, die auf dem Markt zu haben waren – erst die Entscheidung Castros, mit der «Siboney» nur noch eine einzige Zigarrenserie mit lediglich vier Formaten herstellen zu lassen, bedeutete das vorläufige Ende dieser Marke. Ihr Name: «Cabañas y Carbajal».

Auch bei Cigar Clan wird das Einheitslabel erwähnt:

(..) Die zentrale Welle der Verstaatlichung auf Kuba endete Anfang 1961. Nahezu jede Tabakplantage war in staatliche Kontrolle übergegangen, und von nun an herrschte in der Cigarrenindustrie das blanke Chaos: Fast alle vorrevolutionären Marken wurden ihres Namens beraubt, bis schliesslich Ende 1961 sämtliche Cigarren unter der Marke ›Siboney‹ in drei Formaten produziert wurden.

Vermutlich handelt es sich dabei aber um ein (falsches) Gerücht. Die Illustrierte Enzyklopädie der postrevolutionären Havanna-Cigarren verweist auf ein Cigar Aficionado-Interview mit Fidel Castro von 1994. Auf eine entsprechende Frage antwortete Castro:

Das wäre Irrsinn gewesen. Das wäre verrückt gewesen. Ich wollte immer, dass sie neue Marken entwickeln.

Kommentare

  1. Michael Schneider

    Also Zino Davidoff schreibt in seinem Zigarren Brevier von 1967 auch etwas über die Einheitszigarre. Müsste man in Kapitel 2 nochmal genauer nachlesen. Habe das Buch aber gerade nicht hier. Aber es gab bzw. sollte sie wohl wirklich geben.

  2. Falco

    Dass es sich um ein Gerücht handelt, ergibt sich auch aus dem Text des folgenden Links. Ich glaube, dass Davidoff etwas flunkert wenn er in seinem Zigarrenbrevier (Taschenbuchausgabe von 1975) auf Seite 69 schreibt er hätte sich mit den Herren von Cubatabaco zusammengesessen weil die Welt die Einheitscigarre nicht wollte. Er schliesst dann mit
    Zitat: Die Kubaner liessen sich zu meiner Ansicht bekehren. Aber später machten sie trotzdem eine „Volkscigarre“, die Siboney. Es gibt sie noch heute (1975) doch ausserhalb Kubas fragt kein Mensch nach ihr.

  3. Manuel Fröhlich www.premium-blog.ch

    Laut Min Ron Nee wurden erste Siboney-Zigarren nach der Revolution erst 1986 produziert. In der Enzyklopädie heisst es: „(..) Tatsächlich ist dies nach Auskunft aller verlässlichen Quellen nie passiert. Es gibt keine Hinweise darüber, wer diese Geschichte in Umlauf gebracht hat. Überdies erinnert sich niemand daran, zum Zeitpunkt der Revolution Cigarren der Marke Siboney im Verkauf gesehen zu haben.“

    Wenn Zino Davidoff das Gegenteil sagte, ist das natürlich ein gewichtiges Gegenargument.

    Ich finde die Geschichte deshalb interessant, weil die Folgen einer Marken-Abschaffung wohl dramatisch gewesen wären: keine geschmackliche Vielfalt mehr, keine Differenzierung zwischen milden und kräftigen Havannas, keine Unterscheidung verschiedener Tabakqualitäten etc.

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