Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Trinidad-Neuheiten überzeugen

Wer steht neben mir in der Schlange beim Einlass zur grossen Galanacht? A.J. Fernandez, Zigarrenproduzent aus Nicaragua, geboren und aufgewachsen in Kuba. Er besucht das Festival zum zweiten Mal. Sind die Kubaner stolz auf das, was er geschafft hat (innerhalb von 15 Jahren stieg A.J. Fernandez zu einem der grössten Zigarrenproduzenten Nicaraguas auf) oder reagieren sie reserviert? – «Sie reagieren reservert».

Die Marke Trinidad feiert dieses Jahr das 50-Jahr-Jubiläum und die Gäste der Galanacht durften die drei neuen Formate, die zu diesem Anlass lanciert wurden, erstmals geniessen. Alle drei Formate erhielten sehr gute Kritiken. Weltwoche-Journalist Florian Schwab, der zusammen mit der Uhrenmarke Zenit ans Festival flog (Zenit bringt eine Uhrenkollektion für die Marke Trinidad auf den Markt), genoss im Laufe des Abends alle fünf Trinidad-Formate und war besonders bezüglich der drei Neuheiten voll des Lobes. Tabakverkäuferin Verena Vollenweider aus Küssnacht empfiehlt ihren Kunden die Marke Trinidad als vornehme milde Zigarren («Hoyo de Monterrey für den Sonntag»). Mich überzeugten der weiche Rauch und die feine Süsse der neuen Grossformate, beides charakteristische Eigenschaften der Marke Trinidad. Dass Trinidad sein Sortiment auf einen Schlag quasi verdoppelt, ist ungewöhnlich, könnte aber Erfolg haben, wenn sich der tolle erste Eindruck bestätigt.

Wann die neuen Zigarren auf den Markt kommen, weiss niemand. Die neuen Partagas-Maduro-Formate, die an der letztjährigen Galanacht präsentiert wurden, sind noch nicht erhältlich.

Die festliche Stimmung und ein hochkarätige Rahmenprogramm, die Auktion der Humidor-Kunstwerke für einen guten Zweck (die diesjährige Versteigerung verlief zwar etwas holprig, brachte aber dennoch einen Erlös von 1.5 Mio Euro; fast wäre ein Humidor in die Schweiz gegangen: ein privater Sammler bot um den Montecristo-Humidor mit, stieg aber bei 200’000 Euro aus) und die Verleihung der Zigarren-Oscars «Premio del Habano» (zu den Gewinnern gehörte sehr verdient die umtriebige Zoe Nocedo, die unter anderem das Museo del Tabaco in Havanna aufgebaut hat) machten die Gala zu einem eindrücklichen Erlebnis und einem würdigen Abschluss des diesjährigen Festivals.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Die Wiege von Trinidad

El Laguito ist die Vorzeige-Zigarenmanufaktur Havannas. Ursprünglich wurde das Gebäude nach dem «Triumph der Revolution» für eine Zigarrenrollerinnen-Schule bezogen. Daraus entwickelte sich eine Manufaktur, in der über Jahrzehnte Zigarren für Diplomaten, die Regierung und für Fidel Castro höchstpersönlich gerollt wurden – die Geburtsjahre von Cohiba und Trinidad. Eine kleine Anekdote am Rande: Der Grund für Fidel Castros Vorliebe für das Lancero-Format war offenbar die Angst vor Attentaten. Das schlanke Format erschwerte den Einbau einer Bombe.

Weil wir in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum von Trinidad feiern, stand heute der Besuch dieser geschichtsträchtigen Manufaktur auf dem Festival-Programm. Vor zwei Jahren wurde die Manufaktur zum 50-jährigen Jubiläum von Cohiba umfangreich renoviert. Der Zustand ist immer noch wunderschön.

Die sagenumwobene dritte Fermentation der Cohiba-Tabake in Holzfässer findet tatsächlich statt. Davon konnten wir uns heute im Blending-Raum überzeugen. Die Tabakblätter werden hierfür ohne vorherige Befeuchtung in ziemlich luftige Fässer gelegt, wo sie während 25-30 Tagen gut «durchlüften». «Fermentation» beschreibt diesen Verarbeitungsschritt deshalb nicht ganz präzise. Der Mitarbeiter im Blending-Raum erklärte mir, dass die systematische Fasslagerung auf die Initative des neuen Fabrikdirektors wieder eingeführt wurde.

El Laguito ist auch ein Ort, an dem Anspruch und Wirklichkeit aufeinander prallen. Auf der Fototour durch die Fabrik bekam ich mehrere Visitenkarten zugesteckt. Ich hätte nun die Möglichkeit, direkt ab Fabrik Zigarren zu kaufen. Inoffiziell, versteht sich. Später am Tag sprach ich mit einem hohen Funktionär von Cubatabaco, dem Staatsbetrieb, der die Zigarrenproduktion auf Kuba zusammenfasst. Er ist den Mitarbeitern nicht böse. «Niemand kann mit dem offiziellen Salär in Kuba überleben. Trotzdem leben wir alle.»

Der Schwund in den Fabriken sei das eine Problem (ein Folgeproblem sei, dass abgezweigte Tabake von den Rollern irgendwie ersetzt würden). Seit der Staat die Selbständigkeit fördere und neue einträglichere Jobs zum Beispiel im Tourismus entstünden, würden viele erfahrene Torcedores die Fabriken verlassen. Mein Gesprächspartner hofft auf höhere Saläre für die Mitarbeiter in der Zigarrenindustrie, um diese Entwicklung bald zu stoppen.

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Hoyo de Monterrey Double Corona Gran Reserva Cosecha 2013

Heute Abend stand die Präsentation der Hoyo de Monterrey Double Corona Gran Reserva Cosecha 2013 auf dem Programm. Eine farbige Nacht mit Konzerten, Kunst, Bars und Buffets über das Gelände des Salón de Protocolo El Laguito verteilt, die Gelegenheit für Gespräche bot.

Unter den Gästen traf ich Beat Hauenstein, den neuen Oettinger Davidoff CEO. Die Tabakwelt sei klein, man kenne sich und spreche miteinander. Konkrete Kuba-Pläne habe er im Schreibtisch seines Vorgängers aber nicht vorgefunden. Der Zweck seiner Reise: Schauen und Lernen.

Die Präsentation der Hoyo de Monterrey Gran Reserva war eine Formsache, viel Substanzielles gibt Kuba bei Neulancierungen nie preis. Die Tabake dieser limitierten Havanna stammen aus der Ernte 2013 und wurden vom nationalen Tasting-Panel ausgewählt.

Es wäre theoretisch auch möglich gewesen, die Gran Reserva Cosecha 2013 gleich anzuzünden. Jeder Gast erhielt zwei Exemplare in einer schönen Holzschatulle. Doch kaum jemand brachte es übers Herz, die Kiste anzubrechen. Es macht erfahrungsgemäss auch keinen Sinn: Obwohl die Tabake gereift sind, wurden sie für die Herstellung noch einmal angefeuchtet, was eine Mikro-Fermentation einleiten kann und den Geschmack vorübergehend mit scharfen Noten zerstört. In Erinnerung geblieben ist mir eine Romeo y Julieta Churchill Reserva, bei der dieses Phänomen besonders krass auftrat. Wer noch ein oder zwei Jahre Geduld aufbringt, wird zweifellos mit einem weichen, cremigen Rauch belohnt.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Die heilige Erde

«Nuestra riqueza esta en la tierra», steht auf einem Plakat am Rand der Autobahn Richtung Pinar del Rio. Die Stadt im Westen Havannas ist das Eingangstor zur wichtigsten Tabakanbauregion Kubas. Die Reise von Havanna in den Westen dauert mit dem Auto etwa drei Stunden. Unterwegs verändert sich die Landschaft. Mehr Natur, weniger Zivilisation, die Häuser werden einfacher (eindrücklich ist jedoch, wie perfekt jede Veranda aufgeräumt und sauber ist), die Autos klappriger. Es hat Ochsen und Pferdegespanne.

Übersetzt bedeutet die Parole an der Autobahn: «Unser Reichtum liegt in der Erde». In Pinar del Rio dreht sich alles um den Tabak und den Boden, auf dem er gedeiht. Den Besucher, auch wenn er nicht zu ersten mal hier ist, überkommt eine gewisse Andacht beim Anblick der prächtigen Felder.

«Die Einzigartigkeit unserer Anbauregion beruht auf zwei Faktoren», erklärt uns Tabakbauer Iván Máximo Perez, den unsere Festival-Gruppe heute besuchen darf. «Unsere Böden sind sauer mit pH-Werten zwischen 5.5 und 6.5. Und zweitens: die Temperatur hat im Tagesverlauf einen Ausschlag von etwa 10 Grad.» Die Kombination dieser beiden Eigenheiten führe für die Pflanzen zu einem «positiven Stress» und lasse sie ihre einzigartigen organoleptischen Eigenschaften ausprägen. «Es gibt bessere Böden für den Tabak, aber der Schlüssel ist die Temperatur-Amplitude».

Der Betrieb von Iván Máximo Perez gehört mit fünf Hektaren zu den grossen des Landes und ist als «Vega de Primera» klassifiziert, womit seine Tabake auch in die Cohiba-Produktion gelangen können. Iván Máximo ist stolz, selbstbewusst und – sympathisch für Kuba – er beantwortet alle Fragen.

Die diesjährige Ernte werde voraussichtlich nicht schlecht, aber auch nicht so gut wie letztes Jahr ausfallen, sagt er uns. Der Klimawandel sei für die Landwirtschaft generell ein Problem. Mehr Wärme führe auf seinen Betrieb bezogen zu mehr Schädlingen und höherem Krankheitsrisiko. Medio-Tiempo-Tabake für die Cohiba-Behike-Serie sei weiterhin knapp, die Einführung spezieller Pflanzungen werde jedoch untersucht. Gleiche Antwort wie vor einem Jahr.

Iván Máximo offeriert uns eine hauseigene Zigarre, die er persönlich gerollt hat. Jemand möchte von ihm wissen, wie man sie richtig anzündet: Mit Zedernholz, einem Jetflame-Feuerzeug? Con una candela, mit einer Flamme, weist uns der Meister an.

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50 Jahre Trinidad: Drei neue Formate zum Geburtstag

Händler, Importeure, Zigarrenfans: Alle sind wieder nach Havanna gereist um das grosse Fest der kubanischen Zigarre zu begehen. Das Festival del Habano findet dieses Jahr zum 21. Mal statt und lockt über 2’000 Gäste aus der ganzen Welt an.

In den Mittelpunkt stellt Kuba dieses Jahr den 50-jährigen Geburstag der Marke Trinidad. Ab 1969 verschenkte Kuba Trinidad-Zigarren an Staatsgäste und Diplomaten. Erst 1998 gelangten die ersten Trinidad in den Verkauf. Trinidad hat damit eine ähnliche Geschichte wie Cohiba und auch ihre Reputation als Edel-Marke ist mit jener von Cohiba vergleichbar.

Zum Geburstag spendiert Kuba der Marke Trinidad drei neue Formate: Esmeralda (53 x 145 mm), Media Luna (50 x 115 mm) und Topes (56 x 125 mm). Mit der Topes überführt Trinidad die sehr erfolgreiche Edición Limitada 2016 in das Standardsortiment. Allerdings wird der Blend, wie immer in solchen Fällen, nicht dem Original entsprechen.

Weitere Marken lancieren am Festival Neuheiten: Punch erhält ein Short-Robusto-Format namens Short de Punch (50 x 120 mm). Cohiba Novedosos (15 x 156 mm) heisst ein neues, langes Robusto-Format, das exklusiv über Casa del Habanos und Habanos Specialists vertrieben wird. Die San Cristobal 20 Aniversario feiert das 20-jährige Jubiläm der Marke San Cristobal. Diese Neuheit wird den Läden der Casa del Habano-Franchise vorbehalten bleiben. Montecristo, Ramon Allones und Quai d’Orsay bringen 2019 Ediciónes Limitadas auf den Markt.

Freunde des besonders Raren und Edlen dürfen sich auf die Hoyo de Monterrey Double Coronas Gran Reserva Cosecha 2013 freuen. Zum 500-jährigen Geburtstag von Havanna erscheint ein limitierter San-Cristobal-Humidor. Und auch der Trinidad-Geburtstag wird mit einem Sonderhumidor geehrt.

Wie wir an der heutigen Pressekonferenz gehört und gesehen haben, geht Kuba neue Wege beim Packaging. Die Ediciónes Limitadas sind in farbigen Holzkisten verpack, die San Cristobal 20 Aniversario in einer Schatzkiste.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Der kubanische Schachmeister am 8. März in Zürich

Ich bin vor einer Woche in Kuba eingetroffen, genoss ein paar freie Tage und widmete mich ausserdem dem Schachspiel. Ich durfte dabei auf die Hilfe von Grossmeister Roberto Pantoja (links im Bild) zählen, der sich bemühte, mir den einen oder anderen Kniff beizubringen. Bei der kubanischen Landesmeisterschaft, die vor einer Woche ausgetragen wurde, erreichte mein Trainer den zweiten Platz.

Noch besser spielte nur der 18-jährigen Grossmeister Carlos Daniel Albornoz (Bildmitte). Die neue Nummer 1 aus Kuba spielt in den kommenden Tagen ein Turnier in der Schweiz und am 8. März haben wir ihn zu uns nach Zürich eingeladen, wo er zu einem Simultan-Schachturnier antreten wird.

Manuel Fröhlich Märkte

Den Zigarrenfälschern auf der Spur?

Gestern veröffentlichte der zum Tages-Anzeiger gehörende Züritipp den Artikel «Den Zigarrenfälschern auf der Spur». Darin erhält der Betreiber der Internetseite cigar-review-pro.ch eine Plattform, um auf die Gefahr von gefälschten Kuba-Zigarren hinzuweisen und sich als Kämpfer dagegen und als Garant für höchste Fälschungssicherheit zu präsentieren.

Das ist gelinde gesagt kurios. Die Geschichte verhält sich nämlich ganz anders. Der besagte «Zigarrenhändler» hatte in Zürich selber Fälschungen in Umlauf gebracht. Ein Kunde von uns erlag der Versuchung und kaufte gefälschte Ediciones Limitadas. Der Schwindel wurde enttarnt, ich habe dazu einen Beitrag geleistet und kenne sogar die Quelle dieser Zigarren: ein anderer zwielichtiger Schweizer Online-Shop. Der gute Mann bestellte die Fälschungen dort und verkaufte sie zu höheren Preisen weiter. Darin bestand seine Handelstätigkeit. Ich habe ihn über seinen Irrtum aufgeklärt und ging davon aus, dass sich damit das Abenteuer Zigarrenhandel für ihn erledigt habe.

Ich habe mich offensichtlich geirrt. Im Züritipp darf sich dieser Händler nun als Experte aufspielen («Peter Burri liebt kubanische Zigarren – und hasst deren Fälschungen. Seine Expertise stellt er in den Dienst aller Aficionados.») Ursprung und Lösung des Problems wurden hier verdreht. Auch journalistisch nicht gerade eine Glanzleistung.

Auf der Website sugerriert cigar-review-pro.ch, dass er auf seinen Reisen nach Kuba gute Kontakte zu Habanos SA knüpfen konnte und er deshalb Habanos zu Bestpreisen vertreiben könne. Das ist eine dreiste Falschaussage, wie jedermann weiss, der nur halbwegs mit Kuba vertraut ist. Habanos SA unterhält ein Netzwerk offizieller Importeure in aller Welt. Nur über diese Kanäle werden offizielle Habanos vertrieben. Daneben existert ein Grau- oder Parallelmarkt mit Zigarren, die über Drittländer eingeführt werden. Bei solchen Quellen ist erhöhte Vorsicht vor Fälschungen geboten. Sicher und eindeutig falsch ist die Aussage, dass Zigarren am offiziellen Vertriebsnetz vorbei direkt von Habanos SA bezogen werden.

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Partagás-Gala

Die Galanacht zum Abschluss des XX. Festival del Habano war der Marke Partagás gewidmet. Gefeiert wurde die Erweiterung der Partagás-Maduro-Linie um zwei neue Formate. 1500 Gäste dinierten in einer riesigen Halle an festlich geschmückten Tischen, empfingen aus den Händen schöner Kubanerinnen nach jedem Gang eine neue Zigarre, genossen ein farbiges Showprogramm und nützten die Gelegenheit für ein Schwätzchen hier und da.

Ercan Hazar aus Wien wurde als Hombre del Habano ausgezeichnet. Habanos würdigte seine Erfolge als umsatzstärkster Habanos-Händler Österreichs. Mit der Auszeichnung bedankte sich Kuba auch für eine Spende an das Tabakmuseum in Havanna in Form von Zigarrenraritäten mit einem geschätzten Wert von über 100’000 Euro. Zudem wurde Hazars Einsatz im Kampf gegen die Anti-Tabak-Regulierungen in Österreich hervorgehoben.

Der Rum wurde serviert, und als auf der Bühne die Orishas gross aufspielten, sprang der Funke auch bei den abgeklärten Alles-schon-einmal-erlebt-Veteranen des Festivals über. Dann das traditionelle Finale der Galanacht: die Versteigerung der Sonderhumidore zu Gunsten des kubanischen Gesundheitssystems. Für jeden Geschmack fand sich unter den künstlerisch gestalteten Einzelstücken etwas. (Aber nicht für jedes Portemonnaie.) Richtig in Fahrt kam ein arabischer Gast, der gleich drei Humidore ersteigerte und dafür über 500’000 Euro nach Kuba überweisen wird. Der Gesamterlös der Auktion betrug über 1.4 Millionen Euro.

Die Zigarrenneuheiten des Abends hat Ihr Berichterstatter noch nicht geraucht, denn er nimmt seine Arbeit sehr ernst und will die neuen Formate mit frischem Gaumen geniessen. Das Festival ist zu Ende, aber noch nicht meine Zeit in Kuba. Ich freue mich auf letzte freie Tage an der Wärme und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

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Wiedersehen mit Partagas-Maestro-Ligador Arnaldo Vichot Roja

Vor drei Jahren durfte ich für das Cigar Journal mit dem Partagas-Maestro-Ligador Arnaldo Vichot sprechen und ihn zu den Blending-Geheimnissen der kubanischen Zigarrenbranche befragen. Vor zwei Jahren wurde er als Hombre Habano ausgezeichnet, der höchsten Ehre der kubanischen Zigarrenindustrie. Heute traf ich den bald 88-jährigen Master Blender erneut und besprach mit ihm, was ich in Pinar del Rio über die Rückverfolgbarkeit der Tabake gelernt habe.

Für die Auswahl der Partagas-Tabake stützt sich Arnaldo Vichot auf zwei zentrale Kriterien: Die Blattstärke – Seco, Volado oder Ligero – und die Zone. Für die Zone unterscheidet er zunächst zwischen San Juan y Martinez (interne Bezeichnung V12) und San Luis (V13). Jede Hauptregion verfüge aber über Subzonen. In San Juan y Martinez gibt es deren neun, als Beispiel nannte er V12-46, das Kürzel steht für die Zone Santa Damiana.

Ich hakte nach und zeigte ihm das Foto der Etikette, die ich vorgestern in Pinar del Rio sah. Darauf ist keine Subzone vermerkt. Die Herkunft wird mit San Juan y Martinez angegeben. «Esta tarjeta es mal hecho», sagte dazu Arnaldo Vichot. Diese Etikette sei nicht korrekt ausgefüllt. Die Zonen-Information könne aber trotz der ungenauen Etikette weitergegeben werden, beispielsweise über die Faktura. In der Despalilla wird jeweils eine Zone nach der anderen fermentiert, das bestätigte auch der Leiter der Despalilla.

Gewisse Zonen umfassen «Vegas Primeras» mit den besten Qualitäten. Weitere Vegas produzieren zweite oder dritte Qualität. Arnaldo Vichot erklärte mir, dass Zigarren, die 20 Dollar das Stück kosteten, natürlich bessere Qualitäten enthalten würden als Zigarren, die nur die Hälfte kosteten.

Partagas sei eine kräftige Marke und deshalb würde er vornehmlich Tabake von San Juan auswählen. Das hat mich überrascht, da ich San Juan auch wegen der Hoyo de San Juan mit einer eher milden Charakteristik verband. Generell sei es aber gerade umgekehrt: In San Luis wachsen aromatische Tabake, die beispielsweise für Romeo y Julieta verwendet werden. Tabake aus San Juan sind öliger und kräftiger und für ihn als Partagas-Blender erste Wahl.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Besuch bei H. Upmann

Der Festival-Tross besuchte dieses Jahr die Fabriken H. Upmann und La Corona. Ich entschied mich für eine Visite bei H. Upmann. Dabei kam es zu einem Wiedersehen mit einer Dame der Qualitätskontrolle, die ich vor zwei Jahren schon einmal fotografiert hatte. Sie erzählte, dass sie seit vierzig Jahren in der Tabakbranche arbeitet. Sie war früher Rollerin, unternahm als Torcedora auch Reisen in verschiedene Länder. Schliesslich wurde sie Lehrerin für neue Zigarrenroller. Jetzt arbeitet sie in der Qualitätskontrolle. Mit ihrer Zugmaschine testet sie die Produktion von etwa 20 Rollern und zwar nicht Stichproben, sondern 100 Prozent der Produktion.