Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

Das XIX. Festival del Habano hat begonnen

Heute hat das XIX. Festival del Habano begonnen. Kuba begrüsste uns freundlich mit 30 Grad Celcius, gleichwohl haben wir uns umgehend den ersten Festival-Aktivitäten zugewendet.

Traditionell blickt Habanos SA zum Auftakt in einer Pressekonferenz auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Von den Lieferengpässen, die uns in der Schweiz umtreiben, weiss man in Kuba nichts. Habanos SA freute sich über einen Umsatz von 445 US-Dollar, was einem Wachstum von 5 Prozent entspricht. Der positive Geschäftsgang sei auf zwei Ereignisse zurückzuführen: Zum einen auf die Aktivitäten rund um das 50-Jahr-Jubiläum von Cohiba und zum anderen auf eine Erholung der traditionellen Habanos-Kernmärkte Spanien und Frankreich. Diese beiden Länder stehen weiterhin auf den Plätzen eins und zwei des internationalen Absatzrankings, gefolgt von China, Deutschland, Kuba und der Schweiz.

Kurz nahm Habanos auch zu den kürzlich bekannt gewordenen Auslistungen Stellung. Die Verantwortlichen betonten, dass man nach strickt professionellen Kriterien entscheide und nur Formate aus dem Sortiment nehme, die nicht mehr rentabel seien. Eine Auslistungs-Runde findet alle zwei Jahre statt.

Die Montecristo-1935-Serie mit drei Formaten ist die wichtigste Neueinführung 2017. Sie wird von Habanos als Premium-Linie positioniert und soll einen kräftigen Blend erhalten, im Gegensatz zur milden Montecristo-Open-Serie und den klassischen Montecristo-Formaten mit mittelkräftigem Charater. Die Verpackung ist nach dem Vorbild der Montecristo-80-Aniversario-Kiste gestaltet. Ein Facelift mit neuen Bauchbinden spendiert Habanos der Marke Quay d’Orsay. Das Format Corona Claro bleibt im Sortiment und wird durch die beiden Formate Quay d’Orsay 50 und 54 ergänzt. Romeo y Julieta erhält mit den Petit Royales ein grossvolumiges Kleinformat (47 x 95 mm).

Nach der Pressekonferenz im Palacio de los Conveciones traf ich unseren Freund Torger Brunken von
Adorini, der auf der Festival-Messe seine Humidore präsentiert. Mit ihm entdeckte ich in der im
Komplex eingemieteten Casa del Habano letzte Kisten der Saint Luis Rey Marquéz Edición Cuba, einer
echten Rarität, wie sich im Tagesverlauf anhand der Reaktionen vieler Kollegen herausgestellte. Ein
erstes Exemplar dieser hervorragenden Zigarre genossen wir bei Adorini auf dem Messestand und sorgten damit für einiges Aufsehen. So gestärkt machte ich mich auf zum nächsten Termin.

Für die Schweizer Festival-Besucher organisierte Habanos-Importeur Intertabak eine Degustation der
neuen Edición-Suiza-Zigarre. Die Nachfolgerin der von mir hochgeschätzten Juan Lopez Eminentes Edición Suiza 2016 wird Sancho Panza Valientes heissen. Das Format entspricht jenem der Romeo y Julieta Wide Churchill. Die neue Schweizer Havanna wirkte, unmittelbar nach der Saint Luis Rey Edición Cuba genossen, recht mild. Zum Aroma notierte ich mir nussige Noten und Milchkaffee. Es ist ein erster Eindruck, der kein abschliessendes Urteil zulässt, uns aber frohgemut stimmen darf.

Als Pairing-Partner wurde uns Havana Club Tributo Edición Limitada 2017 serviert. Ein spannendes
Getränk, das rundum wenig Zustimmung fand, aber seine Qualitäten hat und sicherlich sein Publikum
finden wird. Havana Club will mit dieser Limited-Edition das Aroma des sogenannten Aguardiente in den Mittelpunkt stellen. So nennt Havana Club das frische und noch nicht in Fässern gelagerte Destillat.
Um seinen ursprünglichen Charakter zu bewahren, wurde es in sehr alten Fässern ausgebaut.

Manuel Fröhlich Märkte

Intertabak erhöht Preise

Der Schweizer Habanos-Importeur Intertabak hat eine Preiserhöhung per 1. April 2017 angekündigt. Die Preise kubanischer Zigarren steigen durchschnittlich um 3 Prozent. Höher fallen die Preisanstiege bei der Premium-Marke Cohiba aus. Hier steigen die Preise vieler Formate um 5 Prozent und mehr. Spitzenreiter ist das Format Cohiba Maduro 5 Secretos. Der Preis der 25er Kiste steigt von CHF 402.50 auf 442.50, was einer Erhöhung von 10 Prozent entspricht.

Als Begründung für die Preiserhöhung nennt Importeur Intertabak eine «Lieferanten-Preiserhöhung und gestiegene Beschaffungskosten». Dass insbesondere die Preise von Cohiba deutlich steigen, dürfte aber zweifellos auch mit der schwierigen Versorgungslage zusammenhängen, von der gerade die Marke Cohiba betroffen ist. Das Angebot ist knapp, der Preis steigt.

Manuel Fröhlich Märkte

5th Avenue mit Umsatzrekord

Deutschlands Habanos-Importeur 5th Avenue, der seit einigen Jahren auch die Märkte Österreich und Polen beliefert, blickt auf ein erfolgreiches 2016 zurück. Die Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahr um 10.7 Prozent gestiegen, trotz der angespannten Versorgungslage. Rückläufig waren die Umsätze von Cohiba, weil Kuba nicht in der Lage war, die nachgefragten Mengen zu liefern.

Deutlich zugelegt haben die Absätze und Umsätze mit den Habanos im Geschäftsjahr 2016 im Vertriebsgebiet von 5th Avenue, dem Offiziellen Alleinimporteur von Habanos in Deutschland, Österreich und Polen. Insgesamt stiegen die Umsätze um 10,7% zum Vorjahr, fast gleichauf mit dem Absatz, der um 10,6% wuchs und erreichten damit ein neues Allzeithoch. Besonders erstaunlich ist diese positive Entwicklung vor dem Hintergrund der knappen Verfügbarkeit wichtiger Habanos. Die Marke Cohiba wies für das Jahr 2016 im deutschen Inlandsmarkt ein Minus von 10,4% aus. Grund dafür waren geringere Liefermengen aus Cuba, aufgrund von Deckblattknappheit durch mehrere Missernten in den vergangenen Jahren. Kompensiert wurden diese Verluste durch das überdurchschnittliche Wachstum anderer Marken, wie Hoyo de Monterrey (+40,4%), Partagás (+21,2%) oder H.Upmann (+30,8%), die durchgängig gut verfügbar waren. Spitzenreiter blieb jedoch die Marke Romeo y Julieta mit einem Plus von 3,1% in Menge und 6,7% in Wert.

Die Umsatzentwicklung im deutschen Inlandsmarkt wurde nicht zuletzt durch den Humidor „Cohiba 50 Aniversario“ kräftig beflügelt, der zu einem Stückpreis von 199.000 Euro angeboten wurde. 5th Avenue war es gelungen, zehn Stück des auf 50 Stück weltweit limitierten Humidors zum 50jährigen Jubiläum der Marke Cohiba zu ersteigern.

Einen neuen Absatzrekord konnte 5th Avenue mit einem Zuwachs von 5,9% auch wieder in Österreich erzielen. Seit dem Verkaufsstart im Jahr 2012 sind Absatz und Umsatz mit Habanos alljährlich kräftig gestiegen.

Mit einem Minus von 0,9% leicht rückläufig war dagegen die Absatzentwicklung im polnischen Markt, in dem 5th Avenue seit dem Jahr 2014 aktiv ist. Hier sind die Verkaufspreise der Habanos überdurchschnittlich gestiegen, nachdem eine Gewichtsbesteuerung für Tabakprodukte eingeführt wurde. Dies hatte Auswirkungen auf den Konsum.

Zur positiven Entwicklung der Geschäftszahlen trugen insbesondere wieder die Geschäfte der La Casas del Habano, der Habanos Specialists und der Habanos Point-Händler bei, die mit einem Plus von 12,5% besonders deutlich zulegten.

Manuel Fröhlich Cigarren

Habanos Delisting 2017

Seit ein paar Tagen kursiert im Internet die Liste der diesjährigen Habanos-Delistings, also jener Habanos-Formate, welche eingestellt und nicht mehr weiter produziert werden. Der Schweizer Habanos-Importeur Intertabak hat diese Liste nun offiziell bestätigt und mit einer eigenen Übersicht kommuniziert.

Die beiden prominentesten Opfer der diesjährigen Sortimentsstraffung sind die Bolivar Coronas Gigantes sowie die Vegas Robaina Don Alejandro. Von anderen Formaten werden lediglich bestimmte Verpackungsformen eingestellt.

Während die Vegas Robaina Don Alejandro auch bei uns selten nachgefragt wurde, haben wir die Bolivar Coronas Gigantes sehr gut verkauft. Interessanterweise haben wir in den letzten Monaten Kisten mit Boxingdates zwischen 06 (!) und 11 bekommen. Importeur Intertabak hatte bis vor Kurzem noch Kisten mit diesen Boxing-Dates an Lager. Mit Sicherheit wurde die Bolivar Coronas Gigantes 2013 noch produziert. Zufällig habe ich genau dieses Format in der Catadores-Runde geraucht, bei der ich in der Partagás-Manufaktur mitmachen durfte. Inzwischen hat Importeur Intertabak die alten Bestände verkauft und jetzt, wo eine Nachbestellung fällig wäre, gibt es bereits nichts mehr.

Auch bei Intertabak ist man nicht sicher, ob die ausgelisteten Formate im Moment noch produziert werden und erst im Laufe des Jahres aus dem Sortiment fallen, oder ob die Produktin bereits gestoppt wurde.

Wie immer ist auch ein Comeback von eingestellten Formaten nicht ausgeschlossen. Zuletzt haben wir die vorübergehende Rückkehr eines eingestellten Formats im Falle der La Gloria Cubana Medaille D’Or No. 2 im Jahr 2012 erlebt.

Manuel Fröhlich Märkte

«Cuba’s Cigar Industry Isn’t Ready for Its American Moment»

Das Wall Street Journal berichtet im Artikel «Cuba’s Cigar Industry Isn’t Ready for Its American Moment» über die Lage der kubanischen Zigarrenindustrie. Die Haupterkenntnis: Kuba ist heute nicht in der Lage, die Produktion drastisch zu steigern, sollte sich der US-Markt öffnen. Die Tabakbauern müssen sich mit organisatorischen Problemen herumschlagen, es fehlen Dünger, Benzin, modernes Equipment. Zusätzlich setzt die Regierung falsche Anreize. Um die berühmte Vega Robaina herum werden Gurken angebaut, weil das mehr einbringt.

At the moment, Cuba’s farmers aren’t especially eager to grow tobacco. Miguel Veloz, who leases farmland near Frank Robaina’s, says he grows cucumbers, not tobacco, because they grow twice as fast and he can make 40% more money. Vegetable growers like him are eligible to increase their income by exceeding cultivation quotas—a bonus designed to boost production on an island that imports more than 60% of its food. Tobacco growers aren’t eligible for any such payments, he says.

In Tat und Wahrheit ist die Situation heute sogar noch schlimmer, als noch vor ein paar Jahren. Die Produktion sinkt von Jahr zu Jahr. Die Ankündigungen des Habanos-Direktoriums, dass man nun einen Ausbau der Produktionskapazitäten an die Hand nehmen würde, sind ebenfalls seit Jahren zu hören.

Auf Investitionen aus dem Ausland kann Kuba nicht hoffen; diese Option hat sich die Regierung offenbar durch einen 100-jährigen Exklusivvertrag mit Habanos-SA-Joint-Venture-Partner Imperial Tobacco selber genommen.

In 2000, Imperial signed a 100-year agreement to be Cuba’s exclusive partner, says Fernando Domínguez, director of Imperial’s premium-cigar business. That deal could hamstring the government’s ability to secure additional foreign help to boost production.

Oettinger Davidoff AG, a Switzerland-based cigar maker and luxury-goods company that once had a cigar-making partnership with the Cuban government, has had discussions with Cuban officials about growing tobacco and making cigars in Cuba, according to Chief Executive Hans-Kristian Hoejsgaard. He says the company has no interest in producing cigars there and being forced to sell them to a rival, Imperial, only to later buy them back for resale to its customers.

Manuel Fröhlich Zigarren-Festivals

XIX. Festival del Habano: Programm und Anmeldung für Schweizer Teilnehmer

Heute beginnt die Registrierungsphase für das XIX. Festival del Habano, das vom 27. Februar bis 3. März 2017 in Havanna stattfinden wird.

Der Ausschreibung ist zu entnehmen, dass nächstes Jahr eine H. Upmann Sir Winston Gran Reserva lanciert wird. Ein weiterer Höhepunkt wird ausserdem die Vorstellung der neuen «Montecristo 1935» -Linie im Rahmen der Gala-Nacht sein.

Schweizer Teilnehmer können die verschiedenen Programmpunkte über den Schweizer Habanos-Importeur Intertabak AG buchen. Anmeldungsschluss ist der 7. Dezember. Intertabak übernimmt dieses Jahr nur noch die Registrierung, die Transfers von den Hotels zu den Events erfolgen individuell.

Eine grössere Änderung gibt es für Teilnehmer aus Deutschland. Wer das Festival privat besuchen will, muss sich neu direkt auf der Website von Habanos registrieren (die Registrierung sollte heute starten, ist aber noch nicht freigeschaltet). Habanos-Importeur 5th Avenue übernimmt die Organisation nur noch für Fachhändler.

Manuel Fröhlich Cigarren

«Die Zigarre ist nicht nur ein Männerspielzeug»

In der Welt ist ein längerer Artikel über Zigarrenproduzentin Maya Selva erschienen. Der folgende Ausschnitt charakterisiert den Flor-de-Selva-Geschmack meines Erachtens treffend:

Maria-Pia Selva ist besser bekannt als Maya Selva. Die Zigarre, die sie herstellt, heißt «Flor de Selva» («flor» bedeutet auf Deutsch «Blüte» und «selva» «Wald»). Kenner mögen sie wegen ihres fruchtig-holzigen Geschmacks, weil sie elegant ist und zu nahezu allem passt. Sie ist die Zigarre der Wahl, wenn eine kubanische ausgeschlossen ist, weil man noch etwas von seinem Drink schmecken will, man es aber gern ein wenig würziger hätte als bei einer Zigarre aus der Dominikanischen Republik. Dann empfiehlt sich eine «Honduranerin».

Manuel Fröhlich Märkte

Update zur FDA-Regulierung von Premium-Zigarren von Rocky Patel

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Heute hat uns Rocky Patel besucht. Der bekannte Zigarrenproduzent engagiert sich seit Jahren für die Zigarrenindustrie und kämpft gegen für die Branche nachteilige Regulationen, unter anderem als Mitglied der Organisation Cigar Rights of America, deren nächster Präsident er voraussichtlich wird. Der Kampf gegen neue Regulationen hat dieses Jahr einen Höhepunkt erreicht: Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat die Option wahrgenommen, neben Zigaretten neu auch Premium-Zigarren zu regulieren. Das Geschäft ist hochkompliziert und Rocky hat uns ein kurzes Update gegeben:

Zigarren, die bis am 8. August 2016 im amerikanischen Markt eingeführt worden sind, können ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Dieses kostet pro Zigarre geschätzt 15’000-60’000 Dollar. Dabei wird der verwendete Tabak chemisch analysiert. Neuzulassungen nach dem 8. August 2016 sind gemäss Rocky Patel gemäss der aktuellen Gesetzeslage nur noch theoretisch möglich. Hierfür müssten Millionen-Beträge eingesetzt werden und die Ablehnungsquote sei fast 100 Prozent (in der Zigarettenindustrie wurde eine von über 3000 Neuanträgen bewilligt). Für Zigarren die nach 2007 lanciert wurden, muss der Nachweis erbracht werden, dass derselbe Blend unter anderem Namen vor 2007 bereits auf dem Markt war. Für Neuheiten wie die Linie Davidoff Nicaragua, die nach 2007 lanciert wurde, bedeutet dies das Aus, weil Davidoff vor 2007 keine Nicaragua-Zigarren produziert hat. Auch Zigarren, die vor 2007 eingeführt wurden, müssen die Zulassung durchlaufen.

Eine weitere überraschende Einsicht: Nach aktuellem Stand der Dinge wird es somit auch im Falle eines Embargo-Endes in den USA keine Zulassung für kubanische Zigarren geben.

Cigar Rights of America hat noch zwei Pfeile im Köcher: Einerseits wird eine juristische Anfechtung der FDA-Regulation geprüft. Andererseits versucht die CRA ein Gesetz zu lancieren, dass Premium-Zigarrren von der FDA-Regulation ausnimmt. Dieses Gesetz wurde vom Kongress bereits angenommen. Im Senat sind die Mehrheitsverhältnisse aber umgekehrt und Rocky Patel schätzt die Chance auf einen Erfolg auf nur 20 Prozent ein. Zuletzt müsste auch der amerikanische Präsident das Gesetz unterzeichnen, Barack Obama würde dies gemäss Rocky eher nicht tun.