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Havanna-Preisschock auf Kuba

Nach dem Beitrag von Cigar Aficonado vom Festival del Habano eine weitere kompetente Stimme: In der Wams schreibt Hans Bewersdorff, warum sich eine Kubareise mit dem Ziel der preiswerten Einkaufes von Cigarren nicht mehr lohnt (persönliche Anmerkung: Land, Leute, Smoke-Setting u.v.m. mehr lohnen aber selbstverständlich nach wie vor die Kubareise). Im Artikel sind zudem einige sehr attraktive Smoke-Tipps integriert.

Havanna-Preisschock auf Kuba
Rauchzeichen

von Hans Bewersdorff

Wie teuer darf eine Havanna sein? Für fünf bis zehn Euro gibt es schon handgerollte Preziosen der Spitzenklasse (zum Beispiel Diplomaticos No. 4 für 5,60 Euro, El Rey del Mundo Coronas de Luxe für 6,70 Euro). Im internationalen Vergleich liegen die Havanna-Preise in Deutschland inzwischen im unteren Drittel. Und das, obwohl Kuba die Preise ständig nach oben anpaßt.

Das gilt selbstverständlich auch für den heimischen Markt. Jeder Aficionado, der nach Kuba kommt, marschiert als erstes zum Preisvergleich in die Casa seines Hotels, um dort beruhigt festzustellen: teurer als letztes Jahr, aber immer noch um Längen billiger als bei uns.

Das war einmal. Kuba hat die Strategie der moderaten Trippelschritte à la Spanien aufgegeben. Über Nacht wurde kurzerhand die gesamte Palette um 35 Prozent erhöht. Damit erübrigt sich eine der klassischen Hauptsorgen bei der Abreise aus Kuba: Wie komme ich mit den vielen Kisten durch den europäischen Zoll – 50 Stück sind frei ..? Diese Menge dürfte jetzt kaum noch übertroffen werden. Es sei denn, es handelt sich um Raritäten, die bei uns nicht mehr erhältlich sind. Ansonsten lohnt sich der Havanna-Kauf auf Kuba kaum noch.

So mancher Shop-Betreiber beklagt denn auch schon Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent und mehr. Warum wurde so drastisch erhöht? „Kuba ist chronisch klamm“, fluchte diese Woche ein englischer Kunde beim 7. Havanna-Festival. „Sie erschlagen jede Mücke, die sie kriegen können …“

Die Fliegenklatsche ist dabei die Edición Limitada. Vor fast fünf Jahren ging es los mit vier Sonder-Vitolas. Damals ahnte niemand (vermutlich nicht einmal bei Habanos), was man da für eine Einnahmequelle erschlossen hatte. Mittlerweile wird der Markt mit limitierten Havannas und Humidoren überflutet, daß selbst Profis die Lust verlieren. Zumal nach einer gewissen Schamfrist aus Limitierten auch schon mal Reguläre werden (zum Beispiel Partagas Piramides).

Das Geschäft läuft gut, die Preise sind gesalzen und der Nachschub ist schier unerschöpflich. Gründe für neue Limitadas braucht es nicht wirklich, finden sich aber immer reichlich.

In diesem Jahr hat Habanos folgende Markenjubiläen ausgerufen: 70 Jahre Montecristo, 130 Jahre Romeo y Julieta, 140 Jahre Hoyo de Monterrey, 165 Jahre Punch sowie 160 Jahre Partagas als zentrales Event fürs Festival. Gigantomanie pur und nicht ganz ehrlich. Romeo y Julieta wurde 1873 offiziell im Handelsregister eingetragen. Das 125. Jubiläum beging Habanos beim Festival 2001 mit einem limitierten Romeo-Humidor, zwei Jahre zu früh – für den 130. Geburtstag. Ein Geburtstag – der von Paratagas – hätte gereicht. Die 160 Jahre stimmen jedenfalls.

Immer wieder werde ich gefragt: „Welche Limitadas kaufen Sie denn?“ Als Anlage gibt es die eine oder andere, die sich lohnt, etwa die Bücher von Hoyo, Romeo oder Partagas. Für den Verbrauch empfehle ich das, was leider auch für jede Neu-Emission gilt: Nur aus der ersten Tranche kaufen. Bestes Beispiel: Montecristo C aus dem vergangenen Jahr. Die ersten waren Weltklasse, die letzten Kreisklasse.

Auf Kuba kaufe ich jedenfalls höchst ungern Zigarren, herrscht doch dort die Unsitte vor, versiegelte Kisten nicht zu öffnen. Mit denselben lächerlichen Ausreden, die man auch bei uns immer wieder hört, wird abgewiegelt: „Viele Kunden möchten geschlossene Kisten“, „Das ist unhygienisch“. Wer beharrlich nervt, bekommt vielleicht ein oder zwei geöffnet. Allerdings braucht es dann auch schon etwas Glück, um eine gute Kiste zu erwischen.

Tatsache ist, daß man nach wie vor keine Havanna blind kaufen sollte. Auch wenn sich einiges verbessert hat, die Qualitäten von Anfang der 90er Jahre sind längst nicht erreicht. Was sich lohnt, sind die vielen unterbewerteten Brot-und-Butter-Havannas, die im Limitada-Wahn an den Rand gedrängt werden. Dazu gehört eine Ramón Allones Specially Selected für 6,50 Euro. Doch auch hier droht Ungemach. Diese exzellente Robusto wird wie auch andere kleine Formate knapp.

Hoffnung macht dagegen, daß ausgerechnet die Specially Selected im Kabinett (50er) kommen soll. Welch ein Wunder, nachdem es jahrelang den Kabinetten an den Kragen ging. Ich kann nur sagen: Mehr davon. Schluß mit dem Gequetsche. Freiheit für die Havanna!

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